Marktausblick
Abhaken und vergessen

Das Jahr nähert sich dem Ende, die Tage werden kürzer und dunkler. Es ist wieder mal Zeit, sich die grundlegenden Gedanken zu machen. Das kennt jeder. Und so ergeht es auch den Strategen in den Analyseabteilungen der Banken. Wie alle Jahre wieder sinnieren sie in dieser Jahreszeit darüber, wie es wohl an der Börse weitergeht und wo der Dax künftig steht.

FRANKFURT. Nachdem sie sich kluge Antworten überlegt haben, teilen sie ihre Weisheit mit den Menschen. In der kommenden Woche ist es wieder so weit. Gleich mehrere Banken laden zu ihrem Kapitalmarktausblick für 2009. Anders als in vergangenen Jahren werden sie diesmal einer Meinung sein.

Das gemeinsame Motto: Nichts Genaues weiß man nicht. Alle werden davon sprechen, dass die Kurse weiterhin stark schwanken dürften – und ansonsten so wenig wie möglich sagen wollen. Eine punktgenaue Prognose für den Dax wird in diesen Tagen wohl keiner wagen.

Die Analysten sind kleinlaut geworden. Schließlich haben sie sich mit ihren Schätzungen in den vergangenen Monaten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Selbst als die Aktienkurse weltweit bereits dramatisch eingebrochen waren, redeten einige dieser Berufsoptimisten noch von üppigen Renditen. Wie oft riefen sie aus, dass der Boden nun aber endlich erreicht sei. Noch im Sommer prophezeiten die Analyseabteilungen, dass der Dax kräftig zulegen würde. Im Schnitt sahen die Strategen den Index bis Ende des Jahres bei 7 400 Punkten. Ein ganz kühner Analyst hielt sogar 8 200 Punkte für möglich. Zahlen, die aus heutiger Sicht völlig entrückt scheinen. Der Dax liegt bekanntlich bei etwa 4 444 Zählern.

Auf der anderen Seite: Analysten haben es nun wirklich nicht leicht. Das muss auch mal gesagt werden. Ob sie wollen oder nicht, sie müssen nun mal das Orakel spielen. Auch in Zeiten, in denen alles den Bach runter geht. Dass ihre Schätzungen oft etwas positiver ausfallen, als angebracht wäre, ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich lebt die Spezies davon, dass es Menschen gibt, die Aktien kaufen, die wiederum von Analysten bewertet werden.

Da haben es Konjunkturforscher besser. Fast scheint es so, als hätten sie den Anlagestrategen und Analysten mit ihren Marktprognosen den Rang abgelaufen. Dass sich die Ökonomen seit mehreren Quartalen mit Horrorszenarien überbieten, kommt im Moment einfach besser an. Zuletzt legte das Ifo-Institut Zahlen vor, bei dem einem angst und bange werden konnte. Am morgigen Dienstag ziehen die ZEW-Experten nach. Alles andere als ein neues Rekordtief wäre überraschend. Zuletzt fiel die Lageeinschätzung des ZEW fast immer noch pessimistischer aus, als die ohnehin schon schlechten Ifo-Erwartungen.

Nur gut, dass sich die Anleger inzwischen weder von ahnungslosen Analysten noch von miesen Konjunkturdaten schocken lassen. Sie haben dieses Jahr abgehakt. Es gibt keine Schlussrally, aber auch keinen weiteren Einbruch.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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