Marktmacht der Großinvestoren
IPOs: Nur für feine Nasen

Peinlichkeiten, Absagen und andere Pannen – der IPO-Konjunktur fehlt der Elan.

HB FRANKFURT. Die Zahl ist enttäuschend: Gerade mal fünf deutsche Unternehmen traten in diesem Jahr den Gang an die Börse an. Nur fünf, denn Investmentbanker rechneten zu Jahresbeginn eigentlich mit einer Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich. Ganz optimistische Stimmen konnten sich sogar 30 Börsengänge vorstellen. Doch was für diejenigen, die damit befasst sind, enttäuschend ist, entpuppt sich für die Anleger als Segen. Können sie sich doch bei den meisten Werten inzwischen über ein Plus freuen.

Wichtig ist dabei, dass gerade die großen, publikumswirksamen Werte wie die Postbank und Wincor Nixdorf – beide übrigens inzwischen im MDax gelistet – kräftig geklettert sind: Um 15 Prozent ist etwa die Postbank-Aktie gegenüber ihrem Ausgabepreis gestiegen, 43 Prozent sind es sogar bei Wincor Nixdorf. Der Grund dafür ist die spürbare Marktmacht der Großinvestoren.

Neue Aktien sind nur zu dem Preis zu platzieren, der den großen Fonds und Vermögensverwaltern genehm ist. Ansonsten schalten diese konsequent auf stur. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Noch immer sind die Mittelzuflüsse der Aktienfonds gering. Wer als Fondsmanager eine neue Aktie zeichnet, der muss sich dafür meist von einem Wert aus seinem Bestand trennen. Die Frage lautet also ganz banal: Ist die neue Aktie chancenreicher als das, was sich bisher im Portfolio befindet? Und diese Frage ist in erster Linie über den Preis zu beantworten.

Der breiten Masse der Anlegerschaft kommt dies zugute. Sie müssen einfach nur mitschwimmen. Wissen sie doch, dass das, was die Großen zeichnen, auch für sie nicht schlecht sein kann.

Auch bei den abgesagten Börsengängen, etwa den Halbleiterwerten X-Fab und Siltronic, hatten die Großanleger das richtige Gespür. So waren es bei X-Fab die vielen Peinlichkeiten bei Kommunikation und Präsentation. Bei Siltronic stellte sich erst im Nachhinein heraus, welch feine Nase viele Investoren hatten, als sie die Finger von der Aktie ließen.

Das Unternehmen hatte nämlich zum geplanten Stichtag der Notierung seinen Konjunkturzyklus bereits überschritten, ab diesem Zeitpunkt konnte es nur noch bergab gehen. Und tatsächlich: Ein gutes halbes Jahr später kündigte das Siltronic-Management ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm an, das unter anderem die Entlassung von 500 Mitarbeitern vorsieht.

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