Matter Glanz
Turnaround bei Harmony Gold lässt auf sich warten

Es ist schon erstaunlich wie sehr ein gescheiterter Übernahmeversuch bisweilen den Aktienkurs beflügeln kann. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür liefert der angeschlagene Goldproduzent Harmony Gold, der Monate lang versucht hatte, seinen deutlich größeren Lokalrivalen Gold Fields zu übernehmen – und dadurch zum größten Goldförderer der Welt aufzusteigen. Beim Versuch jedoch blieb es. Kaum hatte Harmony die Offerte am Stichtag vor drei Wochen zurückgezogen, schoss der in den Vormonaten gnadenlos gefallene Aktienkurs des Unternehmens 15 Prozent in die Höhe.

HB KAPSTADT. Ob dies jedoch bereits eine Trendwende bedeutet und den weltweit sechtsgrößten Goldförderer vor einem langsamen Tod bewahrt, ist nach den letzten Monaten keineswegs sicher– und wird nun davon abhängen, ob ein schwächerer Rand dem Unternehmen endlich höhere Gewinne beschert.

Denn Harmony befindet sich in einer verzwickten Lage: zum einen hat der Goldförderer mehr als 25 Mill. Dollar für die erfolglose Übernahme verjubelt, größtenteils für Berater und Zeitungsannoncen. Zum anderen hat das Unternehmen seit Bekanntwerden der Offerte im Oktober rund die Hälfte seines Aktienkapitals eingebüßt. Auch konnte Harmony in keiner Weise vom Höhenflug des Goldpreises profitieren, obwohl dieser im Dezember mit 456 Dollar zeitweise auf seinen höchsten Stand in 16 Jahren geklettert war.

Einer der Hauptgründe für das Scheitern der Übernahmeversuchs ist, dass die Transaktion von Anfang an eher einem Befreiungsschlag denn der vom Management beschworenen Vision glich. Harmony braucht die reicheren Minen seines Rivalen, um langfristig zu überleben, schon weil sich seine Reserven zwei unabhängigen Studien zufolge auf nur noch 33 Mill. Unzen belaufen – das wäre die Hälfte des bisher veranschlagten Wertes.

Das von dem hemdsärmligen Sanierer Bernard Swanepoel geführte Unternehmen ist vor allem durch den Höhenflug des südafrikanischen Rands in Schieflage geraten. Wie die anderen Goldproduzenten vom Kap erhält es seine Erlöse in Dollar, während seine Lohn- und Explorationskosten im Rand anfallen.

Mit viel Finesse hatte Swanepoel in den letzten Jahren eine Reihe von der Schließung bedrohte Minen am Kap aufgekauft, rentabel gemacht und nach dem Kurseinbruch des Rands damit zunächst auch hohe Gewinne erzielt. Inzwischen hat sich die Lage durch die starke Aufwertung des Rands jedoch in ihr Gegenteil verkehrt: Viele Minen von Harmony erwirtschaften rote Zahlen; im Märzquartal meldete der Konzern gar einen Vorsteuerverlust von 355 Mill. Dollar. Nun steht eine neue Entlassungswelle an.

Unter diesen Umständen kann sich Swanepoel glücklich schätzen, die missglückte Übernahme bislang überlebt zu haben. Denn die Minenarbeiter sind längst nicht mehr die Einzigen, die seinen Kopf fordern. Bezeichnend für die prekäre Lage ist, dass Harmony letzte Woche mehr als die Hälfte seines Anteils an Gold Fields für 2,1 Mrd. Rand an US-Investoren verkaufte – und nicht auf ein höheres Angebot von Norilsk wartete. Das Geld soll nun in den Ausbau zweier neuer Minen in Papua Neuguinea fließen.

Daneben hegt das Unternehmen offenbar die Hoffnung, bei einer etwaigen Fusion der Goldminen von Norilsk Nickel und Gold Fields womöglich die südafrikanischen Bergwerke seines Lokalrivalen kaufen zu können – und dadurch einen Zeitaufschub für den angestrebten Turnaround zu erhalten.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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