Meist sind die Schwankungen logisch zu erklären
Wenn die Hexen wieder tanzen

Am Freitag ist „Hexensabbat“ – der große Verfallstermin an der Terminbörse. Viele Vorgänge bei diesem Mysterium sind logisch zu erklären.

FRANKFURT/M. O Schreck – der Hexensabbat steht wieder an. Weniger mystisch – aber ebenfalls beängstigend– klingt „großer Verfallstermin“. Da fürchtet mancher Anleger, dass sein Geld verfällt. Und manch einer, den Derivategeschäfte in die roten Zahlen geritten haben, hält das Ganze ohnehin für faulen Zauber.

Was in drei Teufels Namen geht an diesen vierteljährlich anstehendenTagen an der Terminbörse vor sich? Gleichzeitig laufen drei Termingeschäftsarten aus: Futures auf Indizes wie den Deutschen Aktienindex (Dax) und den Euro Stoxx, Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. Die Deutschen haben den amerikanischen Begriff „triple-witching-day“ mit „Hexensabbat“ übersetzt. Oft schwankten die Kurse sowohl am Termin- als auch am Kassamarkt an diesen Tagen stark – „wie verhext“ sackte der Dax plötzlich um 100 Punkte ab oder schoss entsprechend nach oben.

Doch meist sind diese Schwankungen logisch zu erklären: So versuchen Investoren oft, mit Hilfe von Aktien- Käufen und -Verkäufen die Kurse so zu beeinflussen, dass sie die zuvor eingegangenen Termingeschäfte mit Erfolg abschließen können. Ein großer Teil des Umsatzes an diesen Tagen resultiert aus Hedging-Aktivitäten der institutionellen Anleger. Schließlich besitzen Banken, Fonds und Versicherungen Wertpapierdepots in Milliardenhöhe, die vor Kursverlusten abgesichert werden müssen, was oft über Index-Derivate geschieht. Wenn viele große Marktteilnehmer mit hohen Umsätzen im Spiel sind, können die Kurse zügig nach oben oder unten getrieben werden. „Auch sind Schwankungen manchmal auf menschliches Versagen zurückzuführen“, sagt Citigroup-Händler Steffen Hohmeister. In der Regel gingen Händler Gegengeschäfte ein, also Geschäfte, die sich neutralisieren. Aufgrund der Vielzahl der Geschäfte vergesse manchmal jemand, eine Order ins System zu stellen, hole das in letzter Minute nach – und dann komme es zu „irrationalen Ausschlägen“, wie Hohmeister sagt.

Interessant zu beobachten ist allerdings, dass in den letzten fünf Jahren an den großen Verfallsterminen im September und Dezember die Hölle los war, während es am dritten Freitag im März und Juni recht ruhig zuging. „Bei den Terminen im Herbst und Winter hatte es vorher jeweils marktbewegende Nachrichten gegeben“, erklärt Tobias Neppl, Eurex-Händler bei der Commerzbank, wobei er unter anderem auf den 11. September 2001 anspielt.

Ein Grund dafür, dass die Kurse weniger schwanken, ist oft, dass die Investoren ihre Positionen frühzeitig „gerollt“ haben – also etwa Futures-September-Kontrakte verkauft und dafür Futures mit Dezember-Laufzeit erworben haben. Bei solchen Geschäften gibt es nur relativ kleine Kursbewegungen, während zum Beispiel bei einem ausschließlichen Verkauf von September-Futures der Markt durchaus deutlich gedrückt werden kann. Bis jetzt laufe das Geschäft ruhig, es deuteten sich keine großen Bewegungen an, sagen Händler.

Und Hohmeister betont, dass das aktuelle Abrechnungsverfahren der Börse beim Dax mehr Schutz vor starken Kursschwankungen biete als das vor einigen Jahren praktizierte (was aber nur für den Abrechnungszeitraum mittags gilt, nicht für den ganzen Tag): Vereinfacht dargestellt geht es darum, dass es nur noch einen gegen 13 Uhr veröffentlichten Settlementpreis gibt, während der Settlementpreis früher aus dem Durchschnitt der Dax-Kurse während eines zehnminütigen Zeitraums berechnet wurde; dabei waren stärkere Kursschwankungen möglich.

Privatanleger ohne eine Neigung zum Zocken sollten sich am Hexensabbat zur Sicherheit der Terminbörse fern halten – oder Gegengeschäfte abschließen.

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