Microsoft, Dell, Intel
Über Gebühr bestraft

Eigentlich hätten Anleger es ahnen müssen. Mit einer Gewinnwarnung am 31. Oktober des vergangenen Jahres deutete der Computerhersteller Dell bereits an, dass die Bewertungen der klassischen PC-Aktien wie Microsoft, Intel und eben Dell lange Zeit zu optimistisch waren.

DÜSSELDORF. Die US-Technologiebörse Nasdaq kletterte bis zum Jahreshoch Mitte April dennoch munter weiter. Damit wiederholt sich ein Muster aus dem Jahr 2000: Auch damals war der PC-Marktführer Dell das erste große Technologieunternehmen, das bereits im Januar 2000, also zwei Monate vor dem damaligen Allzeithoch der Nasdaq, mit einer Gewinnwarnung für kurzzeitige Nervosität an der Börse sorgte.

Doch inzwischen strafen Investoren das PC-Aktientrio Microsoft, Dell und Intel weit über Gebühr ab. Dell und der Chiphersteller Intel büßten innerhalb eines Jahres rund ein Drittel ihres Börsenwerts ein und hinken damit dem Nasdaq-Index um mehr als 40 Prozent hinterher. Dass Microsoft mit einem Minus von zwölf Prozent im gleichen Zeitraum noch glimpflich davonkam, verdanken Aktionäre vor allem einem aggressiven Aktienrückkaufprogramm. Binnen zwei Jahren kaufte Microsoft Aktien im Wert von 23 Milliarden Dollar zurück.

Für das kommende Jahren errechnen Analysten nun im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Microsoft-Aktie von 16 – so günstig bewertet war das Papier seit den 80er-Jahren nicht mehr. Dell und Intel werden beide nach dem drastischen Absturz ihrer Aktienkurse nur noch mit dem 15fachen der für 2007 erwarteten Gewinne gehandelt.

Zugegeben: Im PC-Markt werden die Karten in den kommenden Jahren neu gemischt, denn im Kampf um künftige Marktanteile und Wachstumsmärkte ist die alte Allianz von Dell, Intel, Microsoft längst aufgebrochen. Dell stattet seine PCs künftig auch mit Google-Software aus und verbaut erstmals auch AMD-Chips. Microsoft müht sich noch mehr schlecht als recht, unabhängiger von den Zyklen neuer Betriebssysteme zu werden. Sowohl Dell, Intel als auch Hersteller Microsoft selbst schmerzt, dass das Betriebssystem Vista frühestens im Januar 2007 in den Läden stehen wird und Kunden daher Investitionen in neue PCs und vor allem Notebooks aufschieben.

Wenn jedoch wie jüngst im globalen PC-Markt von einem schwächer als erwarteten Wachstum die Rede ist, so bedeutet dies, dass der Markt bis 2008 noch immer um mehr als zehn Prozent pro Jahr wachsen wird, wie die Marktforscher von IDC prognostizieren – und eben nicht um 15 Prozent wie in den Jahren zuvor. Es gibt schlimmere Unbill.

Auch im Kampf um künftige Marktanteile im PC-Markt sind die Marktführer ihrer Branchen – Microsoft für Software, Dell für Hardware und Intel für Chips – dank ihrer noch immer hohen Margen und immensen Cash-Flows in einer komfortablen Ausgangslage: Microsoft bunkert derzeit 35 Milliarden, Intel 13 Milliarden und Dell rund acht Milliarden Dollar in der Firmenkasse.

kirchner@handelsblatt.com

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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