Mit der Mehrheitsmeinung ist kein Geld zu verdienen
Querdenker gesucht

Jetzt sind alle Unklarheiten beseitigt. Denn das Börsenjahr 2005 wirft keinerlei Fragen mehr auf. Dieser Eindruck entsteht nach Durchsicht der Studien, die von vermeintlichen Vordenkern der Börsenszene vorgelegt wurden.

Jetzt sind alle Unklarheiten beseitigt. Denn das Börsenjahr 2005 wirft keinerlei Fragen mehr auf. Dieser Eindruck entsteht nach Durchsicht der Studien, die von vermeintlichen Vordenkern der Börsenszene vorgelegt wurden. Denn glaubt man Analysten, Ökonomen und Strategen, dann ist das Börsen-Szenario für das nächste Jahr eindeutig. Die Aktienmärkte werden sich im kommenden Jahr per saldo positiv entwickeln, die Anleihenmärkte stehen unter einem weniger guten Stern. Der „Patient Dollar“ wird den Mehrheitsprognosen zufolge seine Talfahrt beschleunigen, und die Rohölpreise werden in den kommenden Monaten auf unter 40 Dollar je Barrel zurückfallen. Das ist jedenfalls der allgemeine Glaube der Börsenprofis, der in der Fachsprache der Märkte auch als „Consensus“ bezeichnet wird.

Bekanntlich können die populären Börsen-Gurus noch immer auf eine große Jüngerschar vertrauen. Und dies, obwohl die „Experten“ die wichtigen und nachhaltigen Trendwechsel des vergangenen Jahrzehnts völlig verschlafen haben. Denn welcher bekannte Finanzmarkt-Guru hat schon frühzeitig das Platzen der Internet-Blase oder aber das neue Hausse-Zeitalter an den Rohstoffmärkten erkannt? Wie im täglichen Leben, so galt und gilt auch hier: Die Klugen haben geschwiegen und gehandelt, die Dummen haben sich lautstark geäußert.

Das Leben an der Börse könnte so einfach sein. Doch die Vergangenheit hat gelehrt, dass mit einer auf den Consensus abgestellten Anlagestrategie in der Regel kein Geld zu verdienen ist. Der Anleger sollte sich also die Frage stellen, bei welcher der Mehrheitsmeinungen es in den kommenden Monaten zu Überraschungen kommen könnte. Etwa auf der Zinsseite? Wenn selbst der als besonnen und klug geltende US-Notenbankchef Alan Greenspan keine Zweifel daran hegt, dass die Zinsen im Jahr 2005 weiter steigen werden, warum sollte es dann der Anleger tun?

Der ökonomische Datenkranz spricht tatsächlich für eine solche Annahme. Zum einen wird der Weltwirtschaft eine stärkere Ausbalancierung der Ungleichgewichte und in deren Folge auch weiteres starkes Wachstum zugetraut. Und zum anderen stellen die haussierenden Rohstoffpreise in der Tat eine Gefahr für die Preisstabilität dar, auf die die Notenbanken mit einer Verschärfung ihrer Geldpolitik – also der Anhebung ihrer Leitzinsen – reagieren dürften. Dies spricht dafür, dass die Kapitalmarktzinsen steigen und Anleihen wenig attraktiv sind.

Dieses Szenario gilt eher für die USA als für Europa. Den USA wird von den führenden Ökonomen für das Jahr 2005 ein Wachstum von über 3,5 Prozent zugetraut. Europa wird dagegen noch nicht einmal die Hälfte des Wachstumspotenzials zugetraut. Ergo: Das Inflationsgespenst dürfte in Europa niemanden erschrecken. Dies auch deshalb, weil der schwache Dollar die traditionell in der US-Währung fakturierten Rohstoffimporte weniger verteuert als dies für die USA gilt. Überrascht es da, dass Ökonomen wie Sanjit Maitra von der WestLB für das gesamte Jahr 2005 keinerlei Leitzinsanhebung der EZB erwarten? Was aber, wenn die weltweit horrende Staatsverschuldung oder das angespannte geopolitische Klima die Weltwirtschaft aus der Wachstumskurve werfen? Dann steht das Szenario steigender Rohstoffpreise und Zinsen auf der Kippe.

Welche Lehre ist aus Fehlprognosen der Experten zu ziehen? Die goldene Regel für Anleger lautet: Denken und tun an den Finanzmärkten alle das Gleiche, ist Vorsicht angesagt. Die Märkte leben vom Widerspruch und von Querdenkern. Wer heute die Prognose wagt, die Zinsen könnten fallen, der Ölpreis auf 100 Dollar je Barrel und der Goldpreis auf 750 Dollar je Feinunze steigen, würde mitleidig belächelt.

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