Mittelstand gilt als resistent gegenüber Börsenplänen
Enter the Entry Market!

Die Initiative Finanzstandort Deutschland will Mittelständlern Lust auf die Börse machen.

FRANKFURT/M. In dem ganzen Bündel von Maßnahmen, das die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) am Dienstag zur Ankurbelung der Wirtschaft vorstellte, ging eine beinahe unter: Um die lahmende Lust am Börsengang anzukurbeln, soll bei entsprechener Nachfrage von mittelständischen Unternehmen ein so genannter Entry Market geschaffen werden. Den Neulingen soll dabei ein Mentor zur Seite gestellt werden, der sie vor, bei und bis zu zwei Jahren nach dem Börsengang berät. Was bei der Verkündung noch auf allgemeine Zustimmung stieß – schließlich ist alles positiv, was dem darbenden IPO-Markt wieder auf die Beine hilft – wird nach einem Mal Schlafen doch mit deutlicher Distanz betrachtet.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Die Kernfrage ist, ob die umworbenen Mittelständler dieses Angebot überhaupt wollen. Gelten doch gerade sie als besonders resistent gegenüber Börsenplänen. Oft noch in Gründer- oder Familienhand, fürchten sie den Einfluss externer Kapitalgeber. Wohl auch deshalb hat man im Vorfeld ganz behutsam den Namen Mentor vergeben, was im Griechischen gleichzeitig Erzieher und Ratgeber bedeutet. Bislang gab es für diesen Job ganz profane IPO-Berater. Die Vorbereitung auf den Börsengang mit allen rechtlichen und organisatorischen Regeln übernahm diese Branche bisher ohnehin schon. Der Unterschied zum Status quo ist indes, dass nun im wahrscheinlichsten Fall eine Bank die Mentoren-Aufgaben übernehmen soll – und zwar kein Institut, das gleichzeitig auch Konsortialbank ist. Zusätzliche Kosten kämen also auf die Börsenkandidaten zu.

Zudem ist noch vieles im Unklaren. Derzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Deutschen Börse mit einem Kriterienkatalog, in dem unter anderem festgelegt werden soll, wie ein Mittelständler auf den Börsengang vorbereitet werden soll. Für die Anleger hat das Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass so nur die Fittesten an die Börse kommen und nicht wie in den Boomjahren 1999 und 2000 auch jede Menge Unternehmen, die sich noch in einem sehr „unreifen“ Stadium befinden. Schließlich sind Kreditfähigkeit und Börsenfähigkeit längst nicht das gleiche. Auf der Gegenseite besteht die Gefahr einer übermächtigen Regulierung, die am Markt mit einer gewissen Skepsis gesehen wird.

Zu den wenigen Dingen, die bereits klar sind, zählt, dass der Entry Market kein eigenes Segment sein wird, sondern an den Prime oder an den General Standard „angedockt“ werden soll. Es bedarf keiner prophetischen Gaben, um vorherzusehen, dass es der strenger gefasste Prime Standard sein wird. Doch Entry Market hin, Prime Standard her: Angesichts der prominenten Namen, die für 2004 ihr Debüt auf dem Parkett angekündigt haben, werden es Mittelständler bei den Anlegern schwer haben.

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