Mobilcom und Freenet
Fusion mit Fragezeichen

Ob „Hängepartie“ oder „Schwebezustand“ – seit mehr als einem Jahr müssen die Aktionäre von Mobilcom und Freenet dieselben Schlagwörter lesen. Noch immer ist die geplante Fusion der beiden norddeutschen Unternehmen zu einem integrierten Anbieter von Mobilfunk, Internet und Festnetz nicht über die Bühne.

HAMBURG. Mehrere Aktionäre blockieren den Zusammenschluss mit Klagen. Die Kurse von Freenet und Mobilcom kennen deshalb seit Monaten nur eine Richtung – steil abwärts. Seit kurzem ist allerdings wieder Schwung in die Notierungen gekommen. Denn die Zahl der Fusionsgegner ist auf eine Hand voll gesunken. Mit den anderen hat sich Doppel-Chef Eckhard Spoerr außergerichtlich geeinigt.

Gelingt endlich die Fusion, dürfte der Aktienkurs der verschmolzenen Firma Auftrieb erhalten, da sich auch die Ertragslage deutlich verbessern dürfte. Zum einen senkt die Fusion die Kosten in Vertrieb, Einkauf und Verwaltung. Zum anderen verbessert sich der Gewinn, da der Vorstand millionenschwere Verlustvorträge von Mobilcom mit Gewinnen von Freenet verrechnen kann. Zudem bietet die Fusion noch einen weiteren Vorteil und damit mittelfristig höhere Kurschancen.

Bei einer Hochzeit der Firmen verfügt Spoerr über eine größere Kriegskasse für Akquisitionen. Das zusätzliche Kapital kann er gut gebrauchen. will er doch das Internet-Zugangsgeschäft von AOL Deutschland übernehmen, um die Position auf dem ertragsstarken DSL-Markt auszubauen. Gelingt das Geschäft, könnte Spoerr die Zahl der Internetkunden auf einen Schlag auf mehr als zwei Millionen steigern. Damit hätte er die Vodafone-Tochter Arcor vom dritten Platz in Deutschland verdrängt – und den Abstand zu den Marktführern Deutsche Telekom und United Internet verringert.

Doch die Zeit drängt. Bereits im September will der US-Konzern Time Warner das Netzzugangsgeschäft von AOL Deutschland für mehr als 600 Mill. Euro verkaufen. Bis dahin muss Spoerr die Fusion unter Dach und Fach bringen, sonst drohen Probleme mit der Finanzierung des Deals. Schließlich wird kaum eine Bank Freenet einen dreistelligen Millionenkredit zu attraktiven Zinssätzen gewähren, solange die Verschmelzung nicht durch ist. Zu sehr scheuen die Geldhäuser das Risiko.

Schnappt aber ein Konkurrent Spoerr das AOL-Geschäft weg, droht der Vorstand mittelfristig im hart umkämpften DSL–Markt ins Abseits zu geraten. Denn weitere attraktive Unternehmen stehen auf absehbare Zeit nicht zum Verkauf. Und die Wettbewerbsposition über organisches Wachstum zu verbessern, ist beschwerlich und kostenintensiv. Für Aktionäre ist das kein günstiges Szenario. Sie müssen deswegen weiter gebannt auf die Schlagzeilen schauen: Erst wenn sich diese ändern, dürfte es auch mit den Kursen von Freenet und Mobilcom aufwärts gehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%