Mögliche Aufspaltung des Tabak- und Nahrungsmittelkonzern treibt den Kurs hoch
Altria pflegt seine Aktionäre

Attraktiv bewertet, stetiges Wachstum, hohe und stetig steigende Dividenden – wer wünscht sich das nicht? Altria bietet es und neuerdings noch Kursphantasie.

DÜSSELDORF. Seit Jahrzehnten sind die New Yorker mit ihrer Zigarettensparte Philip Morris, dem Nahrungsmittelgiganten Kraft Foods und Bierbrauer SAB Miller ein Vorbild in Sachen Erträge und Aktionärspolitik. Aus gut einem Dollar Gewinn pro Aktie Anfang der 90er-Jahre wurden zuletzt 4,50 Dollar. Ob Internetboom, Börsencrash oder Rezession – Altria bekommt von den Schwankungen fast nichts mit.

Und weil der Firmengewinn stetig wächst, steigen die Dividenden: von weniger als einem Euro in den Neunzigern auf 2,92 Dollar und voraussichtlich über drei Dollar im kommenden Jahr. Wie es sich für ein „reifes“ und nicht in klassischen Wachstumsfeldern aktives Unternehmen gehört, schüttet der Tabak- und Nahrungsmittelkonzern 50 Prozent seines Gewinns aus. An dieser Politik dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern. Seit über 30 Jahren erhöht Altria seine Dividenden Jahr für Jahr – und ohne Unterbrechung.

Wer meint, dass die Aktie angesichts so viel Verlässlichkeit und Rendite teuer sei, irrt. Gegenüber seinen Wettbewerbern behandeln Investoren Altria mit einem kräftigen Abschlag. Gemessen am jährlichen Gewinn pro Aktie ist der Titel billiger als etwa British American Tobacco oder Japan Tobacco.

Durchaus zu Recht, denn Altria ist seit Jahren einer Flut von Schadensersatzklagen geschädigter Raucher ausgesetzt. Einer Kalifornierin wurden 28 Milliarden Dollar zugesprochen. In Florida erzielten Anwälte gar 145 Milliarden Dollar. Zwar ist noch immer kein Urteil rechtskräftig, und es erwartet niemand, dass Altria wirklich dreistellige Milliardensummen an einzelne Raucher zahlen muss. Aber die Möglichkeit besteht, und allein das zählt. Mit Schrecken erinnern sich Aktionäre an US-Präsident Bill Clinton und seinen Feldzug gegen Amerikas Raucher. Damals stürzte Altrias Kurs binnen eines Jahres von 50 auf unter 20 Dollar, weil Börsianer angesichts immer neuer Prozesse über die Liquidierung des Konzerns spekulierten, der jährlich zwei Milliarden Dollar Reingewinn macht.

Weil niemand davon ausgehen kann, dass Clintons Nachfolger George W. Bush auf Dauer seine schützende Hand über die Tabakindustrie hält, sucht Konzernchef Louis Camilleri jetzt die Offensive. Er überlegt, Altria in drei Unternehmen aufzuteilen. Vorteil für Aktionäre: Wer künftig bei Kraft oder beim Bierbrauer SAB Miller investiert, braucht keine Milliardenklagen gegen Philip Morris mehr zu fürchten. Zweiter Vorteil: Die drei Einzelgesellschaften sind deutlich mehr wert als – jetzt noch – zusammengefasst. Investmenthäuser errechnen zwischen 60 und 75 Dollar je Aktie. Seit Bekanntwerden der Aufspaltungspläne zahlen Aktionäre knapp 55 Dollar für Altria.

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