Münchener Rück muss ihre Struktur überarbeiten – Ergo könnte mittelfristig gut als eigener Börsenwert bestehen
Eine Entflechtung würde Klarheit schaffen

Nikolaus von Bomhard, der neue Chef der Münchener Rück, bekommt vom Kapitalmarkt keine Schonfrist zugebilligt. Die Anleger wollen wissen, wohin die Reise geht beim größten Rückversicherer der Welt; die Analysten schreiben kritische Studien.

DÜSSELDORF. Eine entscheidende Frage, immer drängender gestellt, lautet dabei: Was passiert mit Ergo, der Tochterholding, unter der die Erstversicherer des Konzerns gebündelt sind? Ergo hat starke, traditionsreiche Marken wie die DKV, die Hamburg-Mannheimer, die Victoria und die DAS. Ergo hat aber auch Probleme, vor allem bei der Victoria Lebensversicherung, die ihre Gesamtverzinsung fast auf den Garantiesatz von 3,25 Prozent zusammenstreichen musste. Insgesamt litt der Teilkonzern stark unter der Börsenschwäche – die allerdings jetzt vorbei sein sollte.

Für die Münchener Rück stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, einen großen Teil ihrer Kräfte im Erstversicherungsgeschäft zu binden. Ihre Kunden dürften sich überwiegend daran gewöhnt haben, dass die Münchener über Ergo zugleich ihre Konkurrenten sind. Die Kapitalmärkte haben lange Zeit auch die Theorie akzeptiert, die Verteilung auf zwei Standbeine – Erst- und Rückversicherung – biete einen Risikoausgleich. Diese Theorie ist nicht nur durch die Krise der Lebensversicherer in den letzten Jahren ins Wanken gekommen. Es entsteht auch zunehmend der Eindruck, dass die Münchener Ergo nicht als vollwertiges Geschäftsfeld betrachten – so ist Ergo-Chef Lothar Meyer nicht im Münchener Vorstand vertreten.

Von Bomhard hat zwei Möglichkeiten, den Schwebezustand zu beenden. Er kann Ergo deutlich aufwerten und sein Haus künftig als echten Mischkonzern mit zwei Standbeinen präsentieren und nicht mehr als Rückversicherer mit angehängtem Erstversicherer. Er kann sich auch von Ergo trennen. Der zweite Weg ist jedoch schwierig: Ergo als Gesamtpaket dürfte zu groß sein, um einen Käufer zu finden – selbst, wenn alle Probleme beseitigt sind. Ergo wieder aufzuteilen und in Einzelstücken zu verkaufen, würde aber die Integrationsarbeit der letzten Jahre, vor allem den Aufbau einer einheitlichen Kundenbasis, zunichte machen – auch keine gute Idee.

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