Nachfrage nach Industriemetall steigt
Silber vom anderen Stern

Die Meinungen sind frei. Zwischen der einen und der anderen liegen manchmal Welten. Diskutieren Experten, bringt das die Einschätzungen nicht unbedingt einander näher. Ein Paradebeispiel liefert die jüngste Silber-Konferenz in den USA.

FRANKFURT. Analysten und Minenvertreter waren vorwiegend im Bullen-Lager zu finden – was bei solchen Gelegenheiten üblich ist. Doch einige Teilnehmer gaben sich ihrer Euphorie so sehr hin, dass die Preisprognosen wie Schätzungen von einem anderen Stern anmuteten.

Die Silber-Story ist schnell erzählt. Die Nachfrage nach dem Industriemetall steigt, weil neue Anwendungen beispielsweise in der Medizin absehbar sind, außerdem Investoren stärker als in der Vergangenheit zugreifen. Gleichzeitig erwarten Experten eine Angebotsverknappung, weil die Vorräte in den vergangenen Jahrzehnten von rund zwei Milliarden Unzen auf nahe Null geschrumpft sind. Darüber hinaus wird Silber verbraucht und ist dann nicht wieder verwertbar – während beim weit teureren Gold das Recycling lohnt.

Rund um den Globus gibt es eine kleine Schar von Enthusiasten, die den Metallpreis in den kommenden Jahren abheben sehen. Und lange Zeit schaute es für sie ja auch prächtig aus: Bis Mai kletterte der Silberpreis von einem Hoch zum anderen, in der Spitze lag er bei mehr als 15 Dollar. Doch in der Folge ging es bergab, zeitweise stürzte Silber bis unter zehn Euro ab. Das Wehklagen war groß. Auf dem „Silver Summit“, dem Branchentreff in USA, waren die angeschlagenen Haussiers aber wieder besser gelaunt. Kein Wunder: Der Silberpreis ist wieder über die Marke von elf Dollar geklettert.

Optimismus versprühen jetzt vor allem die Chefs der großen Minenfirmen. Ian Telfer von Goldcorp und Phil Baker von Hecla Mining sehen den Preis in den kommenden Jahren bei 20 Dollar. Damit ernten sie keinen Widerspruch unter Ihresgleichen. Im Lager der unabhängigen Beobachter gibt es allerdings auch andere Ansichten. Die US-Bank CIBC World Markets etwa sieht den Silberpreis wegen der steigenden Mindenproduktion langfristig unter Druck und wirft als Preisprognose sieben Dollar in die Runde.

Das hören Silber-Anhänger ungern. Sie wenden sich lieber dem mehr als unorthodoxen Analysten Jason Hommel zu. Der schlägt mit seinem Mindestziel von 8000 (in Worten: achttausend) Dollar in 15 Jahren so richtig zu.

Humorvolle Anleger trösten sich damit, dass die Wahrheit irgendwo zwischen sieben und 8000 Dollar liegen dürfte. Man kann das Jonglieren mit den Zahlen auch weiter treiben: Wer jetzt für 10 000 Dollar kauft, bleibt in der Bären-Variante auf rund 6000 Dollar sitzen, oder hat im Mega-Bullen-Szenario mit über sechs Millionen Dollar einen echten Schatz angehäuft. Realisten werden bei der außerirdischen Prognose den Kopf schütteln und sich mit der 20-Dollar-Schätzung wohler fühlen.

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