Nachholbedarf
Nachzügler im Dax

Noch gut 1000 Punkte fehlen dem Dax. Dann notiert er wieder da, wo er in Rekordzeiten im Frühjahr 2000 schon mal war. Dass die Unternehmen heute besser dastehen, weil sie mehr verdienen, ist hinreichend bekannt. Doch all das gilt immer nur für den Durchschnitt, also für die 30 Dax-Unternehmen insgesamt.

DÜSSELDORF. Ein Blick auf einzelne Aktien zeigt ein differenzierteres Bild. Nicht alle der seit dem Boomjahr 2000 am meisten zurückgebliebenen Aktien haben wirklich Nachholbedarf.

Blicken wir auf die Verlierer. Die Deutsche Telekom führt die Flop-Liste seit dem Jahr 2000 an. Gemessen an ihrem damaligen Kurs von 104 Euro steht die Aktie heute 86,5 Prozent niedriger. Und das bei einem Dax, der nur 13 Prozent unter dem damaligen Stand notiert. Ist die Telekom deshalb billig?

Damals verdiente die Telekom pro Aktie 1,96 Euro. 2005 waren es 1,31 Euro. 2006 dürften es kaum ein Euro werden. Die Zahlen präsentieren die Bonner am Donnerstag. Damit verdient die Telekom die Hälfte wie im Jahr 2000. Und das in einer Zeit, in der sich die Gewinne bei den Dax-30-Konzernen im Schnitt verdoppelten.

Der Aktienkurs trägt dieser schlechten Entwicklung zwar Rechnung. Aber mit Blick auf das laufende Jahr und vermutlich noch weiter sinkende Gewinne wird deutlich: Anleger vermissen Perspektiven, wo und wie die Telekom lukrative Geschäftsfelder erschließen will, um den negativen Trend umzukehren. Daran gemessen lässt sich kaum Nachholbedarf erkennen.

Besser schaut es bei Allianz und Münchener Rück aus. Die Kurse der Versicherer notieren heute halb so hoch wie in der Boomzeit. Beide Konzerne verdienen aber deutlich mehr, Münchener Rück sogar 50 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist also gesunken – die Aktie somit billiger. Mit Blick auf das laufende Jahr bezahlen Investoren die Münchener Rück nur mit dem neunfachen Jahresgewinn, die Allianz mit dem zehnfachen. Im Jahr 2000 blätterten Anleger mehr als das 25-fache hin.

Gibt es hier einen kräftigen Nachholbedarf? Ja und Nein. Einerseits genießt die Finanzbranche heute ein anderes Image als damals. Im früheren Börsenboom honorierten Anleger die vielen Querverflechtungen, also den Anteilsbesitz der Versicherer an anderen großen Konzernen – kurz Deutschland AG. Stieg die Börse, dann erhöhte sich auch der Wert der Beteiligungen. Er sank aber dramatisch, als der Dax in nur drei Jahren drei Viertel seines Wertes verlor. Seitdem bedenken Anleger Finanztitel mit einem Abschlag, weil sie die Schwankungen fürchten.

Andererseits sind Allianz und Münchener Rück niedriger bewertet als viele Wettbewerber und um ein Viertel günstiger zu haben als die Dax-Titel insgesamt. Angesichts abnehmender Verflechtungen – die Unternehmen trennten sich bereits von etlichen Beteiligungen – und stabiler Einnahmen erscheinen die zwei Verliereraktien der letzten sieben Jahre niedrig bewertet. Zumindest bezogen auf den heutigen und erwarteten Nettogewinn.

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