Nanotechnologie
Nano, na und?

Erinnern Sie sich noch an das Frühjahr des Jahres 2004? Da schien es, als würde die Nanotechnologie unser Leben verändern. In eine wunderbare Zukunft, in der Miniroboter durch unsere Blutgefäße sausen, um nach Krebszellen zu suchen, in der es Autoreifen gibt, die niemals platzen, T-Shirts, in denen man nie wieder schwitzt und Computerchips, die sich selbst kühlen.

HB BERLIN. Damals schätzte die National Science Foundation den Weltmarkt für die Technologie rund um Anwendungen, die sich in einem Bereich von einem Millionstel Millimeter abspielen, auf eine Billion Dollar in den kommenden zehn Jahren. Viele sahen die Nanotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Es war die Zeit, als sich das Unternehmen SI Diamond Technology in Nano-Proprietary umbenannte und sich der Aktienkurs in vier Monaten verfünffachte. Als das umsatzlose Forschungsunternehmen US Global Aerospace sein „Aero“ in „Nano“ änderte und wenig später an der Börse 30mal so viel wert war. Die WestLB und Credit Suisse First Boston brachten ein Nano-Zertifikat auf den Markt.Merrill Lynch bastelte sich gleich einen eigenen Nano-Index aus 25 Papieren der Zukunftsindustrie.

Nur ein Jahr danach ist die Nano-Blase längst geplatzt. Als die Firma Nanosys – drei Mill. Dollar Umsatz, neun Mill. Dollar Verlust – 115 Mill. Dollar über die Börse einsammeln wollte, hatten die Anleger das Spiel durchschaut und zeichneten nicht. Nanosys sagte das IPO ab. US Global Nanospace ist jetzt nur noch ein Viertel wert, auch die Kurse von Ex-Hoffnungsträgern wie Nanogen oder Nanopase sind dramatisch eingebrochen.

Noch immer sind die Bewertungen der Nano-Aktien in schwindelnder Höhe. Doch die Nanowelt ist der Realität wieder ein bisschen näher. Nicht der Name zählt, sondern die Perspektive, im Geschäft mit den Kleinstpartikeln langfristig bestehen zu können. Die nüchterne Analyse, die Suche nach profitablen und nachhaltigen Geschäftsmodellen verdrängt Stück für Stück den Hype. Kein Wunder, dass einige Firmen das Nano-Image lieber wieder abstreifen wollen und darüber sinnieren, wie sie ihr „Nano“ im Namen wieder los werden.

Das Tauchen nach Nano-Perlen ist Vergangenheit. Schwindelfreier und risikoärmer sind die Aktien von Großkonzernen wie IBM, General Electric oder Dupont. Auch sie setzen auf Nanotechnologie, doch bei ihnen macht sie nur einen Teil des Umsatzes aus. Und diese Unternehmen haben meist die besseren Mitarbeiter – und sie forschen in den lukrativen Bereichen selbst.

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