Neue Favoriten
Börsenstrategie: Zeit zum Umdenken

Von einer drohenden Börsenflaute will momentan so gut wie niemand etwas wissen. Die Analysten bejubeln die Jahresendrally, Anleger kaufen noch einmal kräftig ein. Doch der Schein könnte trügen.

DÜSSELDORF. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schafft zum Abschluss der Adventszeit sogar locker den Sprung über die 6 500-Punkte-Marke. Und auch 7 000 oder gar 8 000 Zähler seien in den kommenden Wochen und Monaten drin, sagen bereits viele Banker voraus. Doch der Schein könnte trügen. Immerhin wird es für die Unternehmen in den kommenden Quartalen immer schwieriger, ihre Vorjahresergebnisse zu übertreffen. Zudem wachsen die Sorgen um die US-Konjunktur weiter an. Und noch ist nicht ganz klar, welche Richtung die Notenbanker im kommenden Jahr einschlagen werden.

Die Anleger müssen sich jetzt also entscheiden: Trauen sie dem Dax noch weitere, kräftige Kursgewinne zu? Falls nicht, müsste der Aufschwung allmählich an Fahrt verlieren. Und dann schlägt nach der Lehre der Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) die Stunde der Nachzügler. Denn gerade in den Schlussphasen eines Aufwärtstrends entwickeln sich die Börsen oft besonders irrational. Alte Informationen werden überbewertet, neue nicht vollkommen realisiert.

Glaubt man der noch jungen Behavioral Finance, birgt eine derartige Situation neue Chancen. Laut der Theorie sind die Märkte längst nicht vollkommen: Einzelne Kurse schlagen zu weit nach oben aus, andere Aktien hinken ihrem wahren Wert dafür deutlich hinterher.

Noch sind diese Ansichten unter Aktienexperten zwar umstritten. Immerhin hat Richard Thaler, Professor an der Universität in Chicago und Mitgründer der verhaltenswissenschaftlichen Finanztheorie, jedoch längst bewiesen, dass amerikanische Aktien, die sich in den vergangenen fünf Jahren schlecht entwickelt haben, in den fünf folgenden Jahren besser abschneiden als der Markt. Andere Finanzwissenschaftler haben gezeigt, dass diese Erkenntnis auch für andere Börsen gilt.

Unter den 30 Dax-Titeln liegen im Fünf-Jahres-Vergleich Continental, die Deutsche Börse und MAN ganz vorn. Postbank und Hypo Real Estate sind noch nicht lange genug notiert. Die größten Verlierer und damit die neuen Favoriten sind die Münchner Rück, Infineon, Tui, Allianz und die Deutsche Telekom.

Zumindest bei den Anteilsscheinen der Allianz und Infineon raten sogar die meisten Analysten bereits wieder zum Kauf. Die Papiere der Münchner Rück und der Telekom werden meist neutral bewertet. Bei dem Reisekonzern Tui überwiegen noch klar die Verkaufsempfehlungen. Für Anleger könnten die vermeintlich riskanteren Werte trotzdem die bessere Wahl sein. Denn die Börsenpsychologie rät auch: Gegen den Trend handeln.

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