Neue Zugpferde an den südafrikanischen Aktienmärkten
Eine Börse wie im Rausch

Die Johannesburger Börse (JSE) befindet sich im Rausch. Steigende Rohstoffpreise und die für südafrikanische Verhältnisse niedrigen Zinsen von 7,5 Prozent haben den Aktienmarkt des rohstoffreichen Landes in diesem Monat erstmals über die Schwelle von 13 000 Punkten katapultiert.

KAPSTADT. Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht – zumindest, wenn man den örtlichen Marktstrategen Glauben schenkt. Sie rühren weiter kräftig die Werbetrommel für südafrikanische Aktien.

Als frische Zugpferde des Aufschwungs haben sich zuletzt die Einzelhandels- und Bankwerte erwiesen, die 2004 um satte 66 bzw. 60 Prozent zulegten. Damit überflügelten sie die von der starken Randwährung gebeutelten Minenwerte. Überhaupt haben die Unternehmen im mittleren und unteren Marktsegment weit mehr als die (exportorientierten) Schwergewichte im Rohstoffsektor von der starken Binnennachfrage am Kap profitiert. Ihr Höhenflug ist umso erstaunlicher als der Handel am südafrikanischen Aktienmarkt in den vergangenen Jahren fast ausschließlich von Bergbauhäusern und Industriekonglomeraten dominiert wurde. So macht die Marktkapitalisierung der 40 größten Konzerne heute rund 80 Prozent des Johannesburger Aktienmarktes aus.

Immerhin konnten die Goldwerte nach ihrem herben Rückschlag im vergangenen Jahr zuletzt etwas Boden gut machen. Dabei half ihnen neben dem etwas schwächeren Rand vor allem der auf 427 US-Dollar gestiegene Goldpreis. Spekulationen, wonach sich die USA möglicherweise gegen den vom Internationalen Währungsfonds geplanten Goldverkauf aussprechen werden, haben dem gelben Metall zuletzt weltweit neue Impulse verliehen. Fester tendierten auch die Aktien der Platinproduzenten - und das, obwohl die Londoner Research- und Brokerfirma Johnson Matthey gerade erst einen Rückgang des Platinpreises prophezeit hat.

Animiert von optimistischen Prognosen der Analystenriege hat der Aufschwung nun verspätet die Kleinanleger erfasst. Schließlich sind viele Experten überzeugt, dass die steigenden Rohstoffpreise und die entstehende kaufkräftige schwarze Mittelschicht den Börsenboom noch längere Zeit anfachen werden. Dabei wird die Luft nach dem jüngsten Höchststand von 13 300 Punkten dünner. Schon weil ein Großteil der kräftigen Binnennachfrage auf Pump finanziert ist und Südafrika wichtige Strukturreformen etwa am Arbeitsmarkt versäumt hat.

Profitieren dürften auf längere Sicht jene Sektoren, die am geplanten Infrastrukturprogramm des Staates teilhaben. Dazu zählen neben den Bauunternehmen auch die Zementhersteller. Die Regierung will in den nächsten fünf Jahren rund 165 Mrd. Rand in den Ausbau von Häfen, Stromnetz und Bahnsystem stecken. Hinzu kommen Projekte für die Fußball-WM, die im Jahr 2010 erstmals am Kap der guten Hoffnung stattfinden wird.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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