Neuemissionen
Nichtssagende Börsengänger

Gefragt nach den langweiligsten Veranstaltungen, die derzeit am Finanzplatz Frankfurt laufen, lautet die Antwort vieler im wahrsten Sinn des Wortes „Betroffener“: IPO–Pressekonferenzen. Der Grund: Details zur Emission werden so gut wie keine mehr geboten.

FRANKFURT. Diese Veranstaltungen, die ursprünglich dazu gedacht waren, die Vorzüge einer Aktienemission in alle Welt zu tragen, sind in diesem Jahr größtenteils nur noch zum Gähnen. Der Grund: Details zur Emission werden so gut wie keine mehr geboten, stattdessen laufen Werbeveranstaltungen, in denen die ruhmreiche und verdienstvolle Vergangenheit des Unternehmen in epischer Breite dargestellt wird.

Beispiel gefällig: Als kürzlich der Baumaschinen-Hersteller Wacker Construction lud, gab es keine Preisspanne, keine Anzahl der angebotenen Aktien und keine Auskunft, wie viele Aktien jeweils von Altaktionären oder aus einer Kapitalerhöhung stammen. Gereicht wurde lediglich die äußerst breit gefasste und deswegen wenig aussagekräftige Spanne zwischen 80 und 120 Mill. Euro, die dem Unternehmen selbst aus dem Börsengang zufließen soll. Dazu kamen das längst bekannte Bankenkonsortium, das die Emission begleitet, sowie Wertpapierkennnummer.

Dass sich ein eigentlich grundsolides und wachstumsstarkes Unternehmen wie Wacker Construction ähnlich wie viele andere Börsenkandidaten auf dieses Spiel einlässt, verwundert. Natürlich haben sich alle Anleger daran gewöhnt, dass ein Neuling nichts zu Zukunftsaussichten sagen darf. So sind seit vier Jahren die Regeln. Das Problem lässt sich mit Analystenstudien umgehen, die zwar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, jedoch stets auf wundersame Weise den Weg dorthin finden.

Deutlich problematischer ist sicherlich, dass die Unternehmen auch die Informationen zurückhalten, die sie eigentlich präsentieren dürften. Die im vergangenen Jahr in Deutschland aus dem Angelsächsischen übernommene Methode des „decoupled Bookbuilding“ war dabei nur Auslöser einer immer größer werdenden Zurückhaltung; bei diesem Verfahren werden erst die Preisvorstellungen der Investoren ausgelotet und dann vor einer verkürzten Zeichnungsphase die Preisspanne verkündet. Noch schlimmer ist es, seitdem es an den Aktienmärkten ab Mai den bekannten Kursrutsch gab. Die einzelnen Unternehmen trifft dabei keine Schuld. Für sie ist ein Börsengang stets etwas völlig Neues, bei dem sie nur den Worten ihrer Berater folgen.

Ein Umdenken wäre deshalb gerade jetzt an der Zeit, um erstens der nachlassenden Aufmerksamkeit gegenüber Börsenneulingen entgegen zu wirken und zweitens nicht den Eindruck übertriebener Geheimniskrämerei zu erwecken. Drittens könnten die Gesellschaften so das Selbstbewusstsein an den Tag legen, das ihnen eigentlich gut zu Gesicht stehen würde. Ansonsten verschwinden viele Börsenpläne mangels Anlegerinteresse vielleicht schon bald in der Schublade.

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