Nur strategische Käufe sind bei dem aktuellen Kurs noch nachvollziehbar
Vorschusslorbeeren treiben VW-Kurs

Erneut Milliardenverluste in den USA, riesige Probleme in China, eine nicht gerade robuste Autokonjunktur und extrem knappe Gewinnmargen – eigentlich eine Mixtur, die so gar nicht nach dem Geschmack von Aktionären ist. Eigentlich, denn der VW-Aktie kann das alles zurzeit nichts anhaben. Sie marschiert bei hohen Umsätzen munter in Richtung 50 Euro, dem höchsten Wert seit über drei Jahren.

FRANKFURT/M. Mit der erwarteten Ertragsverbesserung in diesem Jahr, mit Absatzerfolgen in den vergangenen Monaten oder anderen fundamentalen Verbesserungen ist der gute Lauf der VW-Aktie nicht zu erklären. Die Phantasie treibt den Kurs. Nicht von ungefähr, denn das Management lässt zurzeit keine Gelegenheit aus, dieser Phantasie Nahrung zu geben.

Der als verschlafen und träge geltende Riese aus Wolfsburg lässt mächtig die Muskeln spielen, wenn auch bislang nur verbal. Bernd Pischetsrieder verspricht, mit einem milliardenschweren Sparprogramm das Vorsteuerergebnis des Konzerns bis 2008 von 1,1 Mrd. Euro auf 5,1 Mrd. Euro zu hieven. Alles stehe auf dem Prüfstand, jeder Stein werde umgedreht, heißt es. Gespart wird schon länger, neu ist der Ton bei VW. Seitdem der ehemalige Daimler-Manager Wolfgang Bernhard die VW-Markengruppe führt und sich zusätzlich durch die VW-Korruptionsaffäre die Machtgewichte zu Ungunsten der Arbeitnehmervertreter verschoben haben, weht in Wolfsburg ein eisiger Wind. Bestes Beispiel: die Verschandlungen über den Produktionsstandort für den Golf-Geländewagen. Statt wie in der Vergangenheit im Stillen und im Konsens eine Lösung zu suchen, setzte Bernhard dem Betriebsrat ein Ultimatum. Klare Ansage: Entweder die Arbeitskosten sinken um 850 Euro je Auto oder der Wagen wird in Portugal gebaut. Basta! Die Botschaft ist klar: Wir machen Ernst, der teure Haustarif ist ein Auslaufmodell. Endlich, seufzen die Kapitalanleger. Sie interpretieren den neuen Ton als Zeichen einer renditeorientierten Unternehmenspolitik und kaufen.

Doch die Aktienumsätze sind in den vergangenen Tagen so stark gestiegen, dass sie mit der Zuversicht von Privatanlegern kaum zu erklären sind. Sind also Hedge-Fonds am Werk? Möglich. Sie könnten auf kurstreibende Entscheidungen des Aufsichtsrats am Freitag hoffen. Logischer erscheint dagegen, dass sich arabische Investoren bei VW einkaufen. Schließlich spült der Ölpreisanstieg reichlich Geld in deren Kassen, das investiert werden will. Interesse an VW, zum Beispiel aus Abu Dhabi, gibt es schon länger. Dort plant der Konzern außerdem industrielle Kooperationen. Als Großaktionär tiefere Einblicke in die Strategie des Konzerns zu haben, wäre sicherlich Anreiz genug.

Käufe zum aktuellen Kurs sind eigentlich nur mit strategischen Plänen eines Investors zu begründen. Bei Kursen jenseits der 50 Euro sind bei marktüblicher Bewertung alle Ziele des Managements praktisch schon eingepreist. Die Wette darauf, dass VW seine ambitionierten Ziele sogar übertrifft, ist hochriskant. Zuversicht ist gerechtfertigt, doch bei diesem Kurs wird die Luft extrem dünn.

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