Ölmarkt
Mit Öl Kohle machen

Der Ölmarkt ist ein Markt der großen Irrtümer. Vor zwei Jahren parlierten Fondsmanager für Energieaktien bei einem Lunch über den Preis und bestärkten sich in der Ansicht, 30 bis 40 Dollar je Barrel (etwa 159 Liter) seien unhaltbar. Sie taxierten die Risikoprämie wegen der Irakkrise auf über zehn Dollar. Mit dieser Meinung waren sie in ihren Kreisen in guter Gesellschaft. Wie sich Spezialisten irren können – hoch bezahlte Spezialisten noch dazu. Heute wird Öl der Richtmarke WTI bei knapp 80 Dollar gehandelt.

FRANKFURT. Anleger machten mit der Verachtfachung des Ölpreises seit der Jahrtausendwende ein Vermögen. Und der Preis dürfte weiter steigen. Öl ist als Energielieferant schlicht unersetzbar. Das veranlasste den international angesehenen Vermögensverwalter Marc Faber in kleiner Runde schon zu dem ernüchternden Kommentar: „Wir würden auch 1 000 Dollar je Barrel zahlen, weil wir Öl einfach brauchen.“ Damit ist so bald nicht zu rechnen. Allerdings wird der Preis nach Einschätzung der unabhängigen Analysten von Weiss Research in den USA schon zum Jahresende die magische Marke von 100 Dollar knacken.

An Argumenten mangelt es den Haussiers wahrlich nicht. Da ist die steigende Nachfrage aus den aufstrebenden Ländern, insbesondere China und Indien. Auf der Angebotsseite ist die Lage noch prekärer. Die Förderung kann kaum erhöht werden, und die Raffineriekapazitäten stoßen an Grenzen. Der größte Sprengstoff steckt in der überaus heiklen geopolitischen Situation. In fast allen wichtigen Ölexportländern ist die Lage schwierig. Das gilt für die Region am Persischen Golf, die zentralasiatischen Staaten, auch Nigeria und Venezuela sind politisch instabil.

Aktuell macht die Schließung des größten US-Ölfeldes durch BP Schlagzeilen. Das trieb den Preis zu Wochenbeginn näher an das im vergangenen Monat erreichte Allzeithoch von knapp 80 Dollar heran. Aber dieser Förderausfall wird ein zeitlich begrenzter Einflussfaktor bleiben. Manche Analysten halten es für denkbar, dass die 80 Dollar ein mittelfristiges Hoch markieren. Vor einem Jahr trieb der Hurrikan „Katrina“ im Golf von Mexiko den Ölpreis auf das damalige historische Hoch von 71 Dollar – in den Folgemonaten sanken die Preise allerdings wieder. Dieses Mal könnte der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon für ein vorläufiges Rekordniveau beim Ölpreis gesorgt haben.

Selbst wenn sich diese Prognose im Nachhinein als richtig erweisen sollte: Langfristanleger bleiben mit Blick auf Faber unbeirrt. Oder sie mögen zur Selbstbestätigung die letzte Ölkrise Revue passieren lassen. In den 70er-Jahren stieg der Ölverbrauch trotz einer Preisexplosion und großen Sparanstrengungen um rund 40 Prozent. Und damals war China noch kein Thema, es gab keine großen politischen Krisen und keine Diskussion um die nahende Erschöpfung vieler Ölfelder.

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