Oft kann gesunder Verstand Bilanztricks entlarven
Beliebte Maskerade

Vor den Versuchungen einer vorteilhaften Maskerade ist in diesen Tagen kaum ein Konzern gefeit. Das hat natürlich nichts mit Fastnacht zu tun, sondern mit den Zwängen der Quartalsergebnis-Saison.

DÜSSELDORF. Die Schwäche für Bilanzkosmetik überfällt in solchen Tagen nicht nur halbseidene Schwindler wie bei Parmalat, Enron oder Tyco. Auch der BMW-Konzern, dessen Name sich mit Qualität und allerhöchsten Standards verbindet, wurde Anfang des Jahres schwach.

Im Zuge einer Umstellung seiner Bilanzierungsstandards versuchte der Autokonzern nach einem Bericht des Wall Street Journal, seine operative Gewinnmarge von 8 % auf 9 % schön zu rechnen. Und das ging so: In der Vergangenheit hatte der Konzern sowohl die Zinskosten der Pensionspläne als auch die Erträge der für Betriebsrenten geschaffenen Vermögensposten dem operativen Ergebnis zugerechnet. Anfang Januar aber kam der Konzern auf die Idee, nur noch die Erträge im operativen Ergebnis zu lassen. Der Zinsaufwand aber sollte im Finanzteil der Gewinn- und Verlustrechnung verschwinden. Die Investmentbank Goldman Sachs entdeckte dem Wall Street Journal nach den Kniff und errechnete, dass BMW so sein operatives Ergebnis von 2002 um 452 Mill. Euro verbessert hätte. Schnell machte BMW einen Rückzieher – jetzt werden sowohl Zinsaufwand als auch Erträge des Pensionstopfes als Finanzposten deklariert. Die Ergebnismarge sieht mit 8,3 % wieder entsprechend bescheidener aus.

Keine Angst. Man muss nicht unbedingt Bilanzprofi bei Goldman Sachs sein, um zu sehen, ob im Zahlenwerk eines börsennotierten Unternehmens irgend etwas nicht stimmt. Plötzliche Ergebnissprünge sind ein Warnzeichen, das sich auch Laien erschließt.

Die Zauberei kann dann auch von einem geänderten Abschreibungsmodus herrühren. Oder von günstigeren Annahmen bei der Errechnung künftig fälliger Verpflichtungen. IBM etwa gelang es vor ein paar Jahren, die Überschüsse in der Pensionskasse um knapp 200 Mill. $ größer erscheinen zu lassen, indem der Konzern die Annahmen für die langfristige Zinsentwicklung änderte. Der Gewinn stieg in gleicher Höhe.

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