Ohne Vorzugsaktien hätte FMC den Platz im Dax sicher
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Die Situation der auf Produkte und Dienstleistungen rund um die Blutwäsche spezialisierten Fresenius Medical Care AG (FMC) ist paradox. Ausgerechnet in dem Jahr, das sich anschickt, das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte zu werden, muss der Weltmarktführer um seinen Verbleib im Dax fürchten.

Bislang sieht es zwar so aus, als ob FMC die Kurve diesmal noch kriegt. Auf der letzten Index-Rangliste der Deutschen Börse liegen zwischen dem Titel und der Abstiegszone ein komfortabler Abstand und die Aktie des Touristikkonzerns Tui.

Gut nachzuvollziehen ist dennoch nicht, warum der sowohl von Themen- als auch von Indexfonds als solide Anlage geschätzte Konzern diesem Risiko überhaupt ausgesetzt ist. Anders als Tui könnte FMC seine Marktkapitalisierung aus eigener Kraft deutlich erhöhen, indem es seine 26 Mill. Vorzugsaktien in Stammaktien umtauscht. Denn die Spielregeln der Börse sind eindeutig: Hat ein Unternehmen sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien ausgegeben, fließt nur eine der beiden Aktienarten in die Berechnung der – für die Aufnahme in Dax oder MDax maßgeblichen – Marktkapitalisierung ein.

Gerade Traditionsunternehmen hängen jedoch oft an der Vorzugsaktie, weil sie den Einfluss der freien Aktionäre begrenzt und den Mehrheitseignern die unternehmerische Führung sichert. Der Maschinenbauer Krones machte kürzlich aber vor, wie gut der Abschied von dem Konstrukt bei den Anlegern ankommt. Nachdem die Hauptversammlung beschloss, die Vorzugsaktien per Umwandlung in Stammaktien mit Stimmrechten auszustatten, schoss der Krones-Kurs geradezu in die Höhe.

Wie gut erst würde diese Entscheidung einem internationalem Konzern wie FMC ins Gesicht stehen. Als sich die FMC-Mutter Fresenius im Frühjahr erstmals mit dem drohenden Dax-Abstieg der Tochter auseinander setzte, wurde auch diese Rettungsmöglichkeit offenbar diskutiert. Jedoch legte der 2003 vom Fresenius-Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselte Gerd Krick den Besuchern seiner Hauptversammlung wortreich dar, warum eine Vereinheitlichung der FMC-Aktien derzeit kein Thema ist. Sein Hauptargument ist die Entstehungsgeschichte des Unternehmens. Als FMC 1996 aus dem Zusammenschluss der Dialyse-Sparte von Fresenius mit dem weitaus größeren US-Wettbewerber National Medical Care entstand, wurden die US-Aktionäre mit Vorzugsaktien abgefunden, Fresenius behielt die unternehmerische Führung .

Heute sind sich Beobachter jedoch einig, dass eine Verwässerung der Fresenius-Beteiligung an FMC wenig ändern würde. Derzeit halten die Bad Homburger knapp 51 Prozent an ihrer vor allem in den USA tätigen Tochter, die passenderweise von einem Amerikaner geführt wird. Nach einer Zusammenlegung wären es noch 37 Prozent, vor einer Palastrevolution würde die Sperrminorität schützen.

Vielleicht sind es ja die Buchhalter, die sich gegen eine Umwandlung sträuben, weil sie FMC dann nicht mehr voll konsolidieren dürften. Nach Einschätzung von Analysten würde das für den Gewinn pro Aktie jedoch unter dem Strich gar nicht viel ausmachen. Weitaus fataler dürften die Folgen für Fresenius ausfallen, wenn es mit dem Dax-Abstieg der Konzerntochter im September oder später doch noch ernst werden sollte. Mutter und Tochter hätten dann das zweifelhafte Vergnügen, im selben Index, dem MDax, um die Gunst der Healthcare-Fonds zu konkurrieren.

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