Omnipräsentes Thema
Die Schuldenkrise kaschiert zu viel

In der Diskussion über die Schuldenkrise gehen viele wirtschaftliche Fehlleistungen unter. Dabei sind Staatsdefizite ein über Jahrzehnte gewachsenes Problem. Die drängenden Fragen liegen ganz woanders.
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FrankfurtDie Frage ist hypothetisch, muss aber erlaubt sein: Was wäre, wenn es die ganze Staatsschuldenkrise von Griechenland bis in die USA und nach Japan nicht gäbe? Wenn die Finanzminister nicht von einem Krisengipfel zum nächsten hecheln müssten, sie stattdessen ihren zahlreichen finanziellen Aufgaben nachkommen könnten und nicht die Politik, sondern die Unternehmen selbst für ihre Börsenkurse verantwortlich wären? Und es den Unternehmen dennoch so ginge wie im Moment?

Dann hätten den Dax, den Dow und all die anderen Indizes genauso die Meldungen erschreckt, dass die hinter den Aktien steckenden Firmen künftig nicht mehr sehr gut, sondern nur noch gut verdienen. Wir würden in diesem Herbst wohl ebenfalls eine Korrektur sehen, nur nicht so heftig und mit so kräftigen Ausschlägen wie dies im August der Fall war.

Dass Börsenliebling Apple die beinahe schon aberwitzigen Erwartungen der Analysten verfehlt hat, kann nicht im Ernst den Schulden der USA und vieler anderer Länder dieser Welt angelastet werden. Und dass Harley-Davidson, von dessen Motorrädern böse Zungen behaupten, sie würden vor allem von Freiberuflern in der Midlife-Crisis gefahren, die großen und teuren Maschinen im Moment wegen einer Umstellung der Produktion nicht liefern kann, hat auch nichts mit der Schuldenkrise zu tun. Eher ganz profan mit falscher Planung.

Die Schulden werden auch in Jahrzehnten noch da sein

Vieles lässt sich in dieser Zeit kaschieren, weil ein einziges Thema alles andere in den Schatten stellt. Vermutlich wäre es gut, all die Milliarden an Schulden mal das sein zu lassen, was sie wirklich sind: Nämlich ein über Jahre oder gar Jahrzehnte vorhandenes Problem, das im Tagesgeschäft außer durch seine chronische Anwesenheit kaum auffällt. Ohnehin zeigen sich in der Bevölkerung schon schwere Ermüdungserscheinungen bei den täglichen, so langatmigen wie unergiebigen Diskussionen zu Griechenland und Schuldenkrise, Rettungsschirm und Hilfsprogramm.

Viel wichtiger wäre die Diskussion darum, mit welcher Art von Abkühlung die Unternehmen künftig tatsächlich rechnen müssen. Hier bietet die aktuelle Gemengelage den Unternehmen die Möglichkeit, dass vieles zwar bekannt wird, aber nicht an die ganz große Öffentlichkeit gelangt. Daran hat auch Woche Nummer zwei der amerikanischen Bilanzsaison nichts geändert.

Das wird auch in Deutschland, wo nächste Woche die ersten Zahlen für das dritte Quartal bekannt gegeben werden, nicht anders sein. Vielen Firmen kann es dann ganz recht sein, wenn sie erst der zweite Blick der Börsianer trifft. Der erste gilt natürlich dem täglichen Wasserstand in der Schuldendiskussion.

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  • „Was wäre, wenn ... es die ganze Staatsschuldenkrise von Griechenland bis in die USA und nach Japan nicht gäbe?“
    Die Antwort ist ganz einfach. Die USA leben schon seit 20 Jahren auf Pump mit dem Perpetuum-Mobile „Jedem sein eigenes Haus, das er als Kreditkarte für den Konsum missbrauchen kann“.
    Und in Europa haben wir seit Einführung des Euros in einigen Ländern eine Einkommenserhöhung von 50%, und parallel dazu haben wir in DE einen Stillstand bei der Einkommensentwicklung. Inflationsbereinigt hat sich das Einkommen der Deutschen in den letzten 10 Jahren sogar halbiert. 7,5 Mio. Bürger können mit den staatlich verordneten Hungerlöhnen nicht mehr ihre Familie ernähren und sind auf staatliche Unterstützung angewiesen.
    Wir produzieren mit Hungerlöhnen Träume auf 4 Räder Made in Germany in Länder, deren Einkommen bereits 50% über unserem liegt. Bezahlt werden unsere Exportrechnungen mit Krediten der EZB und der DBB.
    Dafür werden die Sparguthaben der fleißigen Ameisen und Bienen zwangsenteignet und innerhalb Europas verteilt.

    Bis zur Euroeinführung waren wir mit hohen Löhnen jahrzehntelang immer unter den ersten drei Exporteuren. Mehrmals waren wir Exportweltmeister. Erst durch die Euroeinführung hat sich unser Wohlstand in Luft aufgelöst, unser Export mit unseren Sparguthaben und Krediten finanziert, die wir, unsere Kinder und Enkel noch zurückzahlen müssen.
    Früher musste man noch Kriege führen, um andere Länder auszuplündern, heute reichen ein paar Guillaumes in der Regierung.
    Also ohne die Staatsschuldenkrise, die in Europa vom Euro verursacht wurde, weil sich die PIIG(F)S unendlich verschulden konnten, hätten wir immer noch einen Wohlstand, um den uns die ganze Welt beneiden würde.
    Und weshalb lassen wir uns dies alles widerstandslos gefallen?? Selber schuld!!

  • @Hermann
    Sie haben leider so Recht mit dem was Sie schreiben. Nur leider wissen die Wenigsten um diese Zusammenhänge. Wie wir sehen, scheinbar nicht einmal der Journalist eines Wirtschaftsblattes. – Und Politiker, die wollen wieder gewählt werden und haben andere Sorgen.
    Wir spielen weltweit Monopoly und einige Spieler, bringen aus einem anderen Monopolykasten, heimlich immer neue Geldscheine ins Spiel.
    Das Ergebnis ist bekannt. Die große Umverteilung der Vermögen läuft auf Hochtouren, die Enteignung der Mittelschicht kommt.
    Rette sich wer kann.

  • Zitat: "Nämlich ein über Jahre oder gar Jahrzehnte vorhandenes Problem,...."

    Mit einem Wort als Zusatz wäre dieser Satz perfekt: Nämlich ein über Jahre oder gar Jahrzehnte b e k a n n t e s vorhandenes Problem....

    Aber leider bleibt eine auch nur in Ansätzen vorausschauende Politik weiterhin reine Utopie.

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