Online-Anbieter Betandwin ist völlig überbewertet
Zu riskante Wetten

Die Aussage des Fondsmanagers bezieht sich auf die Aktie des österreichischen Online-Wettanbieters Betandwin, könnte aber genauso gut aus den Zeiten des Neuen Marktes stammen. „Jeder am Aktienmarkt weiß, dass die Aktie völlig überbewertet ist, aber es findet sich niemand, der „short“ gehen – also auf fallende Kurse setzen würde“.

FRANKFURT/M Tatsächlich stellt Betandwin mit einem Zuwachs von 300 Prozent in den knapp fünf Monaten seit Jahresanfang weltweit alles in den Schatten. Von rund 30 Euro auf inzwischen 120 Euro stieg ihr Kurs. Keine andere Aktie mit einer Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Euro schaffte diese Kursentwicklung.

Rational nachvollziehbar ist diese Steigerung schon lange nicht mehr. Liegt doch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Betandwin-Aktie für das laufende Jahr aktuell bei utopischen 440!!!. Die Bank Austria als marktschwerster Wert im Wiener Auswahlindex ATX bringt es auf ein KGV von 13. Um diesen Wert herum bewegen sich die meisten der 22 dort vertretenen Werte. Gerade aber, weil das Missverhältnis offensichtlich derart krass ist, stellt sich die Frage, warum trotzdem niemand auf einen Kursrutsch bei Betandwin setzt.

Es gilt auch im aktuellen Fall der seit langem bekannte Spruch: Steigt eine Aktie in kurzer Zeit um 100 Prozent, interessieren sich plötzlich viele Investoren für sie. Steigt sie um 200 Prozent, sind es noch mehr. Kurstreibend hinzu kommt wie stets in diesen Fällen, dass das Unternehmen in einer Branche tätig ist, die bislang an der Börse keine große Rolle spielte, der nun aber immense Wachstumschancen nachgesagt werden. Die gerade vorgelegten Zahlen für das erste Quartal bestätigen zumindest, dass die hohen Wachstumsziele für die kommenden Jahre nicht ganz unrealistisch sind.

Was davon auf den Hype um die Aktie zurückzuführen ist und was nachhaltiges Wachstum ist, darüber gehen die Meinungen indes weit auseinander. Tatsächlich gibt es inzwischen sportlich nicht uninteressierte Analysten, die in einer Art Feldversuch über Wochen hinweg mit Beträgen im 50-Euro-Bereich bei Betandwin gewettet haben. Herausfinden wollten sie, ob sich erstens bei der breiten Masse der Sportbegeisterten durch Online-Wetten eine gewisse Leidenschaft entfachen und ob sich zweitens überhaupt Geld verdienen lässt.

Nach mehreren Wochen hatten die Analysten regelmäßig Geld verloren und stellten den Feldversuch ein. Mag sein, dass die Aktienexperten nicht unbedingt zur ersten Garde zählen, was die Vorhersage von Fußball-Ergebnissen betrifft. Vielen Sportfans dürfte es allerdings ähnlich gehen. Auch sie dürften nach regelmäßigen Verlusten schnell das Interesse verlieren.

Vor großen Turnieren wie der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr wird indes der Umsatz von Betandwin rapide nach oben gehen. Ob sich daraus jedoch ein langfristiger Trend ableiten lässt, ist fraglich. Schon jetzt ist zu erwarten, dass wie bei früheren Turnieren viele Wetter auf die deutsche Mannschaft setzen. Damit ließe sich selbst im Erfolgsfall aber lediglich eine überschaubare Quote erzielen. Auf Exoten werden hingegen weiterhin nur die Zocker setzen, um so im Erfolgsfall an das ganz große Geld zu gelangen.

Letztlich könnte der Hype um Online-Sportwetten genauso schnell vorbei sein wie der um die Aktie von Betandwin. Für den Zocker stellt sich deshalb viel mehr die Frage, was den größeren Wetterfolg bringt: auf den WM-Sieg eines Exotenteams aus Afrika oder Asien zu setzen oder auf fallende Kurse bei Betandwin.

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