Optionsscheine
Wetten um jeden Preis

Rund um den Globus boomen Lotterien, Casinos, Wettgeschäfte und Online-Zockerei. Auch Börsianer machen ihr Geschäft, denn viele Wetten-Anbieter sind börsennotiert. Aktionäre haben ihren Einsatz in wenigen Jahren vervielfacht, teilweise das Zehnfache rausgeholt – in einigen Fällen mehr. Im Nachhinein war der Kauf der Aktien ertragreicher als selbst zu spielen. Betandwin lässt grüßen.

FRANKFURT. Die Deutschen frönen einer zweiten Leidenschaft: Börsenwetten, vor allem mit Optionsscheinen. In der Wunderwelt der Derivate entwickeln die Kreativabteilungen der Banken passende Spielzeuge für diese Spezies. Es geht um Scheine mit Basispreisen, die weit von den aktuellen Notierungen entfernt sind. Das heißt: Mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit wird der Käufer einen Gewinn einstreichen. Die Experten sprechen von Monster-Calls oder Monster-Puts.

Ein solches Monster hat beispielsweise die Commerzbank im Programm. Gerade touchierte der Deutsche Aktienindex (Dax) die Marke von 6000 Punkten. Aber warum sollte er nicht bis Ende übernächsten Jahres 10 000 Punkte erreichen? Einen Call (Kaufoption) mit diesem Basispreis bieten die Co-Banker für rund 40 Cent an.

Aber auch die Chaos-Propheten können wetten. Wer meint, dass der Index bis Anfang Juni diesen Jahres auf 2000 Zähler kollabiert, kommt mit einem Schein von Sal. Oppenheim zum Zuge. Der kostet nur einen Cent. Aber dafür wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in zwei Monaten wertlos aus dem Depot ausgebucht.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Derzeit pendelt die Google-Aktie um 400 Dollar. Die Commerzbank lockt mit einem Call auf 1000er-Basis. Für den Absturz Richtung 70 Dollar hat Trinkaus das passende Papier.

Ähnlich schicke Sachen mit einem Jahr oder einigen Jahren Laufzeit offerieren andere Emittenten auch bei Zinsen, Devisen und Rohstoffen. Die ABN Amro Bank ist bei Metallen vorneweg. Gold bei 2000 Dollar pro Unze oder Silber bei 35 Dollar, alles kein Problem.

Das Geschäft mit den unwahrscheinlichen Ereignissen blüht. Es gibt sogar einen ernst zu nehmenden Wissenschaftler, der daraus einen Investmentansatz entwickelt hat. Der amerikanische Finanzprofessor Nassim Nicholas Taleb kauft solche Optionen. Über seine Anlageergebnisse redet er allerdings ungern. Meistens verliert er.

Die Zocker müssen auf Extremereignisse vertrauen und auf Analysten wie den hier zu Lande wenig bekannten Douglas Casey. Er bediente sich der deutschen Sprache, um einen neuen Begriff zu prägen. Den Amerikanern sind jetzt nicht nur deutsche Begriffe wie „Wunderkind“ oder „Gemütlichkeit“ geläufig. Sie können jetzt Caseys Kreation für die erwartete Rohstoffhausse, die sogar den Aufschwung der Tech-Werte in den 90er-Jahren in den Schatten stellen soll, in ihr Repertoire aufnehmen: den „Ueber-bull“.

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