Phönix aus der AscheDer
Reisekonzern Tui geht wieder auf Kurs

Wie sich das Bild wandeln kann: Vor Jahresfrist noch sah die Tui AG, Europas größter Touristikkonzern mit der Hapag-Lloyd-Schifffahrt im Anhang, wie der geborene Verlierer aus. Wer heute Analystenkommentare verfolgt, liest ganz überwiegend Kaufempfehlungen.

DÜSSELDORF. Die Aktie kam nicht aus dem schwächlichen Mittelmaß um 14 Euro heraus, der Verbleib im Deutschen Aktienindex (Dax) war unsicher, und in der Folge hatten Hedge-Fonds das Unternehmen als lohnendes negatives Spekulationsobjekt im Visier. Doch das ist vorbei. Wer heute Analystenkommentare verfolgt, liest ganz überwiegend Kaufempfehlungen

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Die Ankündigung, dass die Schienenlogistiktochter VTG an den französisch-amerikanischen Finanzinvestor IPE-Ross veräußert werden soll, bestärkte in den vergangenen Tagen die positive Grundeinschätzung der Anlageberater noch einmal. Mit Befriedigung nahmen die Banker auf, dass die Tui ihre Nettoverschuldung mit den Erlösen aus diesem Geschäft um 400 Mill. Euro senken will. Die Absicht, die Verschuldung des Konzerns von 3,25 Mrd. Euro Ende 2004 bis zum nächsten Jahreswechsel unter die Zwei-Milliarden-Grenze zu drücken, sei erreichbar, meinte Eggert Kuls von M.M. Warburg und bestätigte das Kursziel von 24 Euro.

Der Optimismus beruht nicht nur auf der planmäßig weiter geführten Desinvestition, mit der Tui-Chef Michael Frenzel das einstige Industrie-Konglomerat Preussag in einen Reise- und Logistikkonzern verwandelt. Vielmehr liegen die positiven Einschätzungen vor allem daran, dass der Konzern im Kerngeschäft Touristik wie Phönix aus der Asche steigt.

Auf der Hauptversammlung vor wenigen Wochen in Hannover kündigte Frenzel an, das Touristikergebnis solle bis 2008 verdoppelt werden. Die Zustimmung der Aktionäre, vor allem der „alten“ Preussag-Anteilseigner, ist ihm sicher. Lange schon hatten sie auf der Durststrecke ausharren müssen, die ihnen der Konzernumbau abverlangte. Diese von Frenzel beharrlich betriebene Phase stand unter einem ungünstigen Stern: Im letzten Boomjahr des Tourismus vor den Anschlägen des 11. Septembers 2001 hatte der auf Expansion fixierte Konzern sich viel zu teure Zukäufe geleistet, verbunden mit einem erheblichen Anstieg der Verschuldung. Nach den Attentaten fiel er – wie die gesamte Branche – in ein tiefes Loch.

Das scheint vorbei zu sein. Wie auch die Wettbewerber genießt die Tui die Früchte der wieder beginnenden Reiselust – nicht zuletzt auch wegen des konsequenten Sparkurses, der in den nächsten beiden Jahren Ergebniseffekte von rund 150 Mill. Euro bringen soll. Nach dem ersten Quartal prognostizierte der Konzernchef für das laufende Jahr eine Ergebnisverbesserung um einen zweistelligen Prozentsatz. Ob das reicht, die bislang unerreichte Umsatzrendite des letzten Boomjahres von vier Prozent erneut zu erzielen, wird sich zeigen.

Ein Schönheitsfehler in der Bilanz 2004 und auch im ersten Quartal 2005 bleibt, dass die große Sparte Touristik verglichen mit ihrer Größe weit weniger zum Ergebnis beisteuert als die boomende Schifffahrt. Und über aller Kaffeesatzleserei schwebt stets das Damokles-Schwert: Was geschieht, wenn Krieg, Krisen und Terror das Tourismusgeschäft erneut lähmen?

Das liegt außerhalb des unternehmerischen Einflusses. Entscheidend für die Tui ist jetzt, dass der VTG-Verkauf die Hürden der Kartellbehörden überspringt. Und dass sie, wie angekündigt, den letzten Nachlass der Preussag-Ära, den US-Stahlhändler Preussag North America, gewinnbringend abgeben kann. Dann könnten die Analysten weiter Beifall spenden: Unternehmensziele erreicht, Tui auf Kurs.

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