Postbank setzt mit neuem Fonds auf Fußball-Fans
Vorsicht, Abseitsfalle!

Die Postbank stürmt in Richtung Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die Tochter der Deutschen Post gehört zu den nationalen Hauptsponsoren der WM, hat Franz Beckenbauer, seines Zeichens Fußball-Kaiser, als Werbeträger engagiert und legt nun noch einen WM-Fonds auf.

FRANKFURT/M. Aus Marketing-Sicht mag das Institut damit einen Volltreffer landen, sollten sich die Millionen Fernseh-Zuschauer nicht nur für die Ballkünste der deutschen Nationalmannschaft, sondern auch für die Anlagefähigkeiten der Postbank erwärmen können. Doch als Anleger kann man mit dem „Postbank Dynamik Fifa WM 2006 Garant“ schnell ins Abseits geraten.

Der neue Fonds will in Aktien von Unternehmen investieren, die von der Weltmeisterschaft 2006 besonders profitieren sollen. Als Beispiel werden im Werbeprospekt die üblichen Verdächtigen genannt: Adidas, Deutsche Telekom, Coca Cola und McDonalds. Dass die Gewinne dieser Firmen aber allein durch das Sport-Event signifikant in die Höhe schießen, mag sich kaum ein Experte vorstellen. Im Jahresergebnis eines global agierenden Konzerns wie Coca Cola sei eine Weltmeisterschaft nur ein minimaler Erfolgsfaktor, sagt Heiko Nitzsche vom Fondsresearchhaus S&P Fund Services.

Im Endeffekt verbirgt sich also unter dem Fußball-Trikot ein internationaler Aktienfonds mit Kapitalgarantie. Für die Garantie muss der Anleger natürlich zahlen, indem er nur zu 50 bis 80 % an der Aktienkursentwicklung partizipiert. Das eingesetzte Kapital plus die gezahlte Kaufgebühr von 3 % garantiert die Postbank im Übrigen nur zum Laufzeitende im Dezember 2007.

Damit kommt der Fonds eher wie ein Zertifikat daher, dessen Zusammensetzung in zwei Wochen festgelegt wird und während der gesamten Laufzeit unverändert bleibt. Dies ist bequem für das Fondsmanagement, aber unvorteilhaft für den Anleger, der immerhin 0,9 Prozent Verwaltungsgebühr p.a. zahlt. Wofür bleibt allerdings unklar. Schließlich setzt er unter dem Label „WM“ auf eine zweifelhafte Anlagestrategie mit Garantie.

Solche Produkte fallen in die problematische Kategorie der Themenfonds. Immer wieder denken sich findige Entwickler interessant klingende Verkleidungen für stinknormale Fonds aus, um den alten Marketing-Gedanken „Neu verkauft sich gut“ umzusetzen.

Die Fondskunden verunsichert dies mehr als dass es ihnen Orientierung bietet. Häufig können sie das Anlagethema nicht nachvollziehen – die mäßigen Fonds-Volumen beweisen das. Andere Sportfonds gerieten darüber ins Seitenaus. So standen der DSF Sportfonds der DAB Bank ebenso wie der „UniSector: Sport“ der Union-Investment nicht lange auf dem Spielfeld.

Wie bei vielen anderen Themenprodukten kommt nämlich dabei ein Grundprinzip der Fondsanlage zu kurz: Enge Investitionsgrenzen können kontraproduktiv auf die Risikostreuung wirken. Werden Fondstitel nicht ausgetauscht, potenziert sich dieses Problem. Ob dank der Fußball-EM 2004 mehr Anleger Fans des Postbank-WM-Fonds werden, bleibt daher abzuwarten.

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