Postbank verschiebt die Relationen in Dax und MDax
Anders als gedacht

Es war im Vorfeld so schön gedacht: Die Postbank kommt am 21. Juni an die Börse, die Anleger reißen vorher schon den Angestellten hinter den Postschaltern die Aktien zu einem Preis von 36,50 Euro quasi aus den Händen, der Handel nach der Erstnotiz zeigt gewaltige Umsätze und nach exakt 30 Handelstagen – solange muss eine Aktien nach den Regularien der Deutschen Börse mindestens gelistet sein – steht der Postbank-Aktie mit dem Erscheinen der Rangliste für den Monat Juli die Krönung bevor: Sie liegt in den Kriterien Marktkapitalisierung und Börsenumsatz soweit vorne, dass der Arbeitskreis Aktienindizes in seiner anschießenden Sitzung nicht umhin kommt, die Aktie in den Deutschen Aktienindex Dax aufzunehmen.

FRANKFURT/M. Dass es doch etwas anders kommen wird, ist spätestens seit dem vergangenen Wochenende bekannt, als das Bonner Geldinstitut die Preisspanne und das Emissionsvolumen senkte. Seither ist die Postbank definitiv kein Dax-Kandidat mehr. Dabei hätte es noch nicht mal eine Rolle gespielt, dass die Post die Erstnotiz ihrer Tochter um zwei Tage auf den heutigen Mittwoch verschoben hat und somit die erforderlichen 30 Handelstage nicht einhalten kann. Denn die Deutsche Börse hatte als Betreiber des Dax glücklicherweise just ihre eigenen, etwas antiquierten Regeln aktualisiert, was unter anderem zur Folge hat, dass die turnusgemäß vierteljährlichen Indexüberprüfungen nun alle einen Monat später stattfinden, die Verschiebung um zwei Tage folglich ohne Folgen wäre.

Gewinner und Verlierer der Postbank-Entscheidung zeichnen sich indes jetzt schon ab. Freuen können sich die beiden Dax-Werte Fresenius Medical Care (FMC) und Tui. Sowohl der Dialysespezialist als auch der Reisekonzern gelten zwar weiter als akut abstiegsgefährdet. Eine Sorge sind sie jedoch los: Wären die ursprünglich geplanten 82 Mill. Postbank-Aktien voll platziert worden, dann hätten sich die Bonner im Kriterium Marktkapitalisierung irgendwo zwischen Rang 30 und 35 platziert. Folge: FMC und Tui wären nach hinten gerutscht und damit den Abstiegsrängen bedenklich nach gekommen. Zur Erinnerung: Wer ab September schlechter als Rang 35 liegt, muss seinen Platz räumen.

Dennoch gelten weder FMC noch Tui als gerettet. Das liegt ebenfalls an einer Neuerung der Indexregeln. Ab August ist nämlich zur Berechnung der Marktkapitalisierung nicht mehr der Kurs am letzten Tag des Monats ausschlaggebend, sondern der so genannte „volumengewichtete Durchschnittskurs der letzten 20 Handelstage“. Was seinen Sinn darin hat, dass nicht mehr wie in der Vergangenheit am Stichtag munter gezockt werden kann, führt in der Konsequenz nun dazu, dass die Rangliste schon jetzt anders ausschaut, würden die neuen Regeln bereits angewandt. Die Analystin Anke Keller von der Landesbank Rheinland- Pfalz (LRP) hat sich die Mai-Rangliste mal nach alten und neuen Regeln angesehen und erstaunliches festgestellt: Tui, bislang nach alter Regel auf Rang 35 und damit akut gefährdet, würde sich nach neuer Systematik auf Platz 33 verbessern. FMC würde sich hingegen von Platz 33 auf 35 verschlechtern. Es bleibt also spannend bis zur Entscheidung Anfang September. Zumal Puma, Hypo Real Estate und T-Online bereits auf die frei werdenden Plätze lauern.

Doch zurück zur Postbank. Deren Aktie wird ab September eine bedeutende Rolle im MDax spielen und dort mit einer Marktkapitalisierung um Rang zehn etwa auf Augenhöhe mit MG Technologies und Heidelberger Druck stehen. Die Verlierer stehen schon jetzt fest: Der Spielwaren-Hersteller Zapf Creation oder der Druckmaschinen-Konzern Koenig & Bauer werden den MDax wohl verlassen müssen. Wahrscheinlich sogar beide. Denn mit dem Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf klopft der bis gestern erfolgreichste Börsengang des Jahres ebenfalls an die MDax-Tür.

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