Potenzielle Aufsteiger
Wette auf die Europa AG

Vor zwei Jahren hat sich der Münchener Versicherungsriese Allianz in eine Europäische Aktiengesellschaft umgewandelt. Mittlerweile wollen es ihr 80 andere Unternehmen gleichtun. Die Aktienmärkte belohnen entsprechende Ankündigungen mit moderaten Kursgewinnen. Deshalb lohnt ein Blick, wie sich daraus gewinnbringend Nutzen ziehen lässt. Schließlich profitieren Anleger seit Jahren davon, frühzeitig auf potenzielle Aufsteiger in den großen Börsenindizes wie Euro Stoxx, Dax und MDax zu setzen.

DÜSSELDORF. BASF und Porsche machen es, ausländische Konzerne wie der französische Rückversicherer Scor auch; sogar die kleine Softwarefirma Mensch und Maschine ist dabei. Sie alle geben sich den Zusatz Societas Europaea (SE), und sie erhoffen sich damit Erleichterungen bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen oder beim Verlagern des Konzernsitzes ins Ausland. BASF und Allianz nutzten die neue Rechtsform, um ihren Aufsichtsrat zu verkleinern. Am Ende wird kräftig gespart, speziell bei der Verwaltung.

Bedeuten weniger Kosten gleichzeitig höhere Gewinne und damit steigende Aktienkurse? Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat die Kursentwicklung im Zusammenhang mit Nachrichten über SE-Gründungen untersucht. Stichtag ist der Tag, an dem die Unternehmen erstmals die Öffentlichkeit über ihre Absicht informieren.

Tatsächlich: Sobald die Firmen über "SE" sprechen, steigen die Kurse. Zwar fällt die Überrendite gegenüber dem Vergleichsindex mit 0,1 Prozent am Tag der Ankündigung noch sehr bescheiden aus. Aber an den ersten fünf Börsentagen summiert sich die überdurchschnittliche Kursentwicklung auf 1,3 Prozent. Wer nicht von der ersten Minute an dabei ist, hat also noch gar nicht viel verpasst. Noch mehr Rendite winkt demjenigen, der schon vor der ersten offiziellen Nachricht dabei ist. Dafür ist natürlich viel Gespür und Spekulation nötig. Addiert man die fünf Tage vor der Ankündigung mit den fünf Tagen danach, beläuft sich die Überrendite auf 2,5 Prozent.

Ähnlich wie bei den Aufsteigern in einen wichtigen Börsenindex verpuffen die Effekte aber schon bald. Anleger realisieren Gewinne. Nach 30 Börsentagen verbleibt immerhin noch eine Überrendite von einem Prozent. Ebenso wie bei dem Indexwechsel eines Unternehmens verbinden Investoren also auch die Entscheidung für die europäische Rechtsform mit strategischen Vorteilen für den Konzern - und damit für den Anteilseigner.

Kleine Einschränkung: Es gibt noch nicht genügend Fallbeispiele, um zufällige Kursentwicklungen ausschließen zu können. Näheren Aufschluss werden erst weitere Unternehmen bringen, die sich für die "SE" entscheiden. Mit Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Linde und Münchener Rück signalisieren aber bereits prominente Unternehmen ihr Interesse. Und bekanntlich gilt: Je mehr auf einen bestimmten Trend setzen, desto eher erfüllt sich die Prophezeiung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%