Preise für Platin und Palladium pendeln sich ein
Friedliche Koexistenz

Zu den Metallen, die in den letzten beiden Jahren rasant im Preis gestiegen sind, gehört auch Platin. Von 400 Dollar pro Unze Anfang 2002 legte das Edelmetall bis Mitte April auf 940 Dollar zu und war damit so teuer wie seit 24 Jahren nicht mehr.

JOHANNESBURG. Das Edelmetall wird vor allem in Autokatalysatoren verwendet und zu Schmuck verarbeitet. Angesichts der weltweit immer schärferen Umweltstandards haben Katalysatoren in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen, was wiederum die Nachfrage nach Platinmetallen angeheizt hat. Hinzu kommt der dramatisch gestiegene Platinbedarf der chinesischen Schmuckindustrie. Inzwischen scheint der Höhenflug des Platins von neuen Nachrichten über das Schwestermetall Palladium gebremst worden zu sein. Den Platin notiert derzeit noch um 820 Dollar je Unze.

Der Grund für das Nachgeben der Platin-Notierungen um mehr als 100 Dollar: Das belgische Unternehmen Umicore, das Platinmetalle kauft und daraus Autokatalysatoren herstellt, hat ein neues Verfahren entwickelt. Danach soll es möglich sein, bis zum Jahr 2007 rund 25 Prozent des bislang in Dieselkatalysatoren verwendeten teuren Platins durch das billigere Palladium zu ersetzen.

Allerdings zehrt auch die Balance von Nachfrage und Angebot am Platin-Preis. Deutlich wird dies im jüngst veröffentlichten Bericht des Londoner Edelmetallhauses Johnson Matthey (JM) zum Platinmarkt. Sofern das Angebot wie im letzten Jahr rascher als die Nachfrage wächst, rechnet JM zum ersten Mal seit 1998 mit einem leichten Überangebot. Großen Schwankungen war 2003 dabei vor allem die Nachfrage unterworfen: Während der Platinbedarf der Autobranche um 23 Prozent auf 3,2 Millionen Unzen stieg, ging die Nachfrage der Schmuckindustrie nach dem weißen Metall wegen seines hohen Preises um 13 Prozent auf 2,45 Millionen Unzen zurück. Vor allem in China gelten 800 Dollar je Unze China als Schmerzgrenze.

Im Vergleich zum Verbrauch der Chinesen nimmt sich das Ausmaß der von Umicore geplanten Substitution von Platin durch Palladium geradezu bescheiden aus. Sie soll zwischen 70 000 und 80 000 Unzen liegen. Allerdings schätzen viele Rohstoffstrategen, dass sich das Tempo der Substitution rasch beschleunigen könnte, weil andere Platinverarbeiter wie Engelhard und Johnson Matthey vermutlich bald eine ähnliche Technik für Dieselkatalysatoren auf den Markt bringen dürften.

Ironischerweise sind die technische Neuentwicklung und die gesunkene Nachfrage der Chinesen keineswegs so negativ für Platin wie man meinen könnte. Im Gegenteil: In ihrer Kombination sorgen beide Faktoren für langfristige Stabilität am Markt, weil sie zu einer besseren Preisbalance zwischen Platin und Palladium führen dürften. Gegenwärtig ist Platin noch dreieinhalbmal so teuer wie das weniger vielseitig einsetzbare Schwestermetall.

Gleichzeitig wird jedoch vor überzogenen Erwartungen für die Entwicklung des Palladium-Preises gewarnt. Denn selbst wenn die Autoindustrie allmählich von Platin auf Palladium umsteigt, würde ein solcher Prozess vermutlich Jahre dauern und eine schnelle Hausse nicht rechtfertigen. Spekulationen auf eine rasche Verdrängung von Platin in der Autoindustrie hatten den Palladium- Preis von weniger als 180 Dollar im Januar zeitweise über 340 Dollar je Unze hochschnellen lassen. Mittlerweile ist Palladium wieder über 100 Dollar billiger.

Ebenso unzweifelhaft ist jedoch, dass Palladium bei der gegenwärtigen Preisdifferenz als Ersatzstoff für Platin an Attraktivität gewinnen wird, vor allem wenn Russland künftig stabile Lieferungen garantieren könnte. Schon in der Vergangenheit hatte der Palladiumpreis häufig dann deutlich angezogen, wenn Platin stark gefragt war. So lange der Platinkurs auf seinem hohen Preisniveau verharrt, wofür vieles spricht, dürfte deshalb auch die Erholung am Palladium-Markt trotz einzelner Rückschläge weiter andauern.

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