Private Krankenversicherung
Nicht nur die Beiträge zählen

Privatpatienten müssen im kommenden Jahr im Schnitt wohl rund sieben Prozent höhere Beiträge zahlen als in diesem Jahr. Doch der moderatere Preisanstieg bei der gesetzlichen Krankenversicherung sollte niemanden zu einem übereilten Wechsel verleiten. Warum sich Kunden nicht vom Preis blenden lassen sollten.
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FRANKFURT. Die Post der privaten Krankenversicherer (PKV) an ihre knapp 8,9 Millionen Kunden enthält derzeit meist keine guten Nachrichten. Die Privatpatienten müssen im kommenden Jahr im Schnitt wohl rund sieben Prozent höhere Beiträge zahlen als in diesem Jahr. Dabei haben sich die Privatversicherten schon zu Jahresbeginn über heftige, teils zweistellige Prämiensteigerungen geärgert. Als Grund wird meist die medizinische Inflation genannt, also die Preissteigerung durch immer ausgefeiltere Behandlungsmethoden und Medikamente. Unter steigenden Ausgaben leidet die PKV stärker als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Dort gehen die Beiträge gemessen am Höchstsatz 2011 mit rund drei Prozent nur halb so stark nach oben wie in der PKV.

Doch der Preis sollte niemanden zum übereilten Wechsel bewegen. Denn einerseits kämpfen alle Anbieter mit dem Ausgabenproblem, besonders jene mit hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten. Und zum anderen ist das PKV-System so konstruiert, dass ein Wechsel für den Kunden mit beträchtlichen Risiken verbunden ist. So verlieren sie beim Anbieterwechsel einen Teil ihrer Alterungsrückstellungen. Das ist ein Sparguthaben, das die Beiträge im Ruhestand stabil halten soll. Oder die Kunden müssen sich einer neuen Gesundheitsprüfung unterziehen, die oft Zuschläge oder Leistungsausschlüsse zur Folge hat.

Nicht vom Preis blenden lassen

Im Prinzip kommt ein solcher Wechsel nur für junge gesunde Kunden in Frage, die noch nicht lange eingezahlt haben. Die anderen sind zwar auf ihren Anbieter angewiesen, haben aber das Recht, in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Das sehen viele Gesellschaften aber nicht gerne, weil damit ihre Kalkulationen immer komplexer werden - und sie sich damit auch mal verrechnen können, wie das Beispiel des Branchendritten Allianz Kranken zeigt. Die Münchener wollten Altkunden vom Wechsel in billigere Tarife für Neukunden mit einem Pauschalzuschlag abschrecken und scheiterten damit an der Finanzaufsicht.

Beim Tarifwechsel müssen die Kunden darauf achten, dass sich keine bedrohlichen Lücken auftun. Die Klauseln eines privaten Krankenversicherungsvertrags sind derart kompliziert, dass Privatpatienten sich auf jeden Fall unabhängig beraten lassen sollten. Dies gilt umso mehr für den Fall eines Systemwechsels, also von der GKV zur PKV. Vom Werben der Vertreter darf man sich nicht unter Duck setzen lassen. Nur wer sich Vor- und Nachteile beider Systeme vor Augen hält, kann eine sinnvolle Entscheidung treffen. Denn eine Fehlentscheidung ist teuer und kaum zu revidieren - anders als beispielsweise bei der Kfz-Versicherung, mit der sich viele intensiver beschäftigen als mit ihrem Krankenversicherungsschutz.

Kommentare zu " Private Krankenversicherung: Nicht nur die Beiträge zählen"

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  • im Kern stimmen die Aussagen. Nur diese Altersrückstellungen..... der "Heilige Geist" der PKV. Der Versicherte sollte wissen, dass im Durchschnitt nicht viel mehr als 20.000 Euro zurückgestellt wurden und, dass der Kapitalverzehr deutlich jenseits des 70. Lebensalters beginnt. Verrentungs-Tabellen wie in der privaten Rentensicherung sind Wunschdenken. Die Die Altersrückstellungen sind das Geheimfach in der black-box PKV und wohl eher das Sparschwein der PKV-Unternehmen, als das der Versicherten.

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