Privatisierung gibt dem Ölmulti Lukoil neue Chancen
Russischer Glaube

An Russland muss man einfach glauben“, schrieb der russische Schriftsteller Fjodor Tjutschew im 19. Jahrhundert. Wenn es auch zu Zeiten des adligen Lyrikers noch keinen florierenden Aktienmarkt gegeben hat, so ist sein Zitat für Russlands Börse aktueller denn je. Denn solange die Krise des angeschlagenen Ölkonzerns Yukos nicht ausgestanden ist, bleibt der gesamte Markt unter Druck.

Dabei hätten andere Aktien durchaus mehr Aufmerksamkeit und höhere Kurse verdient – wie etwa die Papiere des größten russischen Ölförderers Lukoil. Der Moskauer Konzern, der wegen seiner langsamen Entwicklung kritisiert worden war, hat im ersten Halbjahr die Ölförderung um 7,8 Prozent auf 1,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich und damit auf zwei Prozent der Weltproduktion gesteigert. Somit produziert Lukoil mehr als das Opec-Mitglied Libyen.

Lukoil liegt im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Yukos wieder eine Nasenlänge vorn. Vor allem wichtige Kennziffern wie die Fördermenge pro Quelle konnte Lukoil deutlich verbessern. Ohnehin steht der Konzern gesund da: Bei einer Förderung von 81,5 Millionen Tonnen machte das Unternehmen im vorigen Jahr 22,3 Milliarden Dollar Umsatz und 3,7 Milliarden Dollar Reingewinn. Hinzu kommt, dass Lukoil ein neuer Partner winkt, wenn die Regierung am 30. September den letzten großen Staatsanteil von 7,6 Prozent verkauft.

Zwar hat der um rund 30 Prozent unter dem Marktwert liegende Mindestpreis die Börsianer verunsichert und das Wachstum der Lukoil-Aktie vorläufig gebremst. Doch Hoffnung schöpfen Analysten daraus, dass mit dem wahrscheinlichen Käufer Conoco-Phillips – dem drittgrößten US-Ölmulti – neuer Schwung ins bisher behäbige Unternehmen kommt.

Conoco-Chef James Mulva und Lukoil-Vorstandsvorsitzender und -Großaktionär Wagit Alekperow haben sich bei Russlands Präsidenten Wladimir Putin bereits den Segen des Kreml für den Einstieg der Amerikaner geholt. Zusammen wollen sie dann auch ein großes Joint Venture zur Erschließung von Ölfeldern im Nordwesten Russlands bilden.

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