Protektionismus
Politik macht Kurse

Eine Welle des Protektionismus läuft um den Erdball, ausgelöst von den Staats- und Regierungschefs der rohstoffreichen Exportländer. Lautstark gehen Männer wie Hugo Chavez in Venezuela und Evo Morales in Bolivien den internationalen Energiekonzernen im eigenen Land an den Kragen.

FRANKFURT. Im ersten Fall geht es um Öl, im zweiten vor allem um Gas. Chavez und Morales wollen nicht zusehen, wie die Rohstoffpreise steigen und die Gewinne aus der Förderung außer Landes gehen. Da werden Steuern erhöht, die Anteile an Gemeinschaftsunternehmen nach oben geschraubt, Lizenzen entzogen oder es wird gleich verstaatlicht. Das ist eine neue Gefahr für die Aktionäre der betroffenen Konzerne.

Die charismatischen Politiker aus Südamerika haben viele leisere Mitspieler. So setzt auch die ecuadorianische Regierung die Daumenschrauben an. Occidental Petroleum ist hier der Leidtragende. Darüber hinaus geht es in Afrika zur Sache. Vor einigen Tagen wetterte Tschads Präsident Idriss Deby, sein Land wolle sich nicht länger mit den „Brotkrumen“ zufrieden geben, die ausländische Fördergesellschaften seinem Land übrig ließen. Er hat Chevron und Petronas die rote Karte gezeigt, nur mit Exxon Mobil will er weiter zusammenarbeiten. Algerien verschärft ebenfalls die Gangart.

Ein weiterer Hot Spot für die internationale Förderbranche ist Zentralasien, eine Region mit großen Ressourcen. Im Blick stehen die Mongolei und die vier ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan – wobei Kasachstan dank seiner enormen Energiereserven der wichtigste Mitspieler in diesem Quartett ist. Die Usbeken haben jüngst Newmont Mining und Oxus Gold kalt erwischt. Sie verstaatlichten die Vermögen der beiden Goldminengesellschaften und entzogen ihnen die Förderlizenzen.

Meist haben die Aktionäre Glück, dass die Konzerne rund um den Globus aktiv sind und deshalb nicht zu hart getroffen werden. Die Gewinne bei Exxon Mobil & Co sprudeln nur so. Anders sieht es bei Gesellschaften mit starkem Engagement in einem Land aus. Ein Beispiel: Im Mai kam Furcht auf, der Bolivianer Morales könnte nicht nur nach den Energiereserven, sondern auch nach den Metallvorkommen greifen. Das traf die kanadische Apex Silver Mines, die im Land an der Erschließung einer großen Silber-, Zink- und Bleimine arbeitet. Der Aktienkurs sackte allein an einem Tag um ein Viertel ab.

Rohstoff-Enthusiasten brauchen bei ihren Entscheidungen über Aktienkäufe jetzt auch ein Auge für die Politik. Das gilt gerade für mutige Anleger, die mit spekulativen Engagements bei regional konzentrierten Förderern oder Explorationsfirmen hohe Gewinne erzielen wollen. Die gute Nachricht: Die Eingriffe der Politiker scheinen zu bestätigen, dass der globale Kampf um Rohstoffe anhält und die Preise weiter steigen werden.

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