Rally der Internetaktien
Großes Juhu um Yahoo ist übertrieben

Sie sind wieder wer: Internetaktien wie Ebay, Amazon oder Yahoo haben in den vergangenen Wochen Rallys erlebt, die denen vor dem Platzen der Spekulationsblase ähnelten.

HB DÜSSELDORF. Die Aktie des Informations- Service-Unternehmens Yahoo etwa, die einst zu Kursen um 230 $ pro Aktie handelte und in ihren dunkelsten Momenten nach dem Platzen der Blase nur noch 8,50 $ wert war, hat ihren Wert in den vergangenen neun Monaten mehr als verdreifacht und notiert bei knapp 35 $.

Das ist leider schon wieder eine sehr hohe Prämie für das – zugegeben – erfolgreiche Management. Als eines der wenigen Überlebenden der Ausleseschlacht glänzt Yahoo mit jährlichen Umsatzwachstumsraten um die 30 %. Gleichzeitig kann das Unternehmen inzwischen eine gewisse Gediegenheit vorweisen. Vorbei die Zeiten, zu denen der – inzwischen geschasste – Tim Koogle als Yahoo-Chef in seinem lila Auto bei jeder Silicon Valley Party auftauchte. Der 60-jährige Terry Semel, der das Unternehmen seit zwei Jahren führt, lässt sich ganz traditionell von seinem Chauffeur kutschieren. Ideen und Kreativität haben unter seiner Regie nur eine Chance, wenn sie ökonomisch sinnvoll sind und in die Gesamtstrategie passen. Und die lautet: wohl überlegte Zukäufe, vor allem im Marketing und im Breitbandbereich, ansonsten die Kunden in immer mehr kostenpflichtige Bereiche wie Online- Kontaktanzeigen oder interaktive Hotelpreislisten locken. Semel ist auf gutem Weg, aus den etwa 230 Millionen Nulltarif-Nutzern im Schnellgang zahlende Kunden zu machen.

Schon tragen die Anleger wieder Dollarzeichen in den Augen. Unter Semel, der zuvor 20 Jahre lang erfolgreich die Geschäfte des Filmproduzenten Warner Brothers leitete, entwickelt sich Yahoo zu einer Firma, die richtig Geld verdient. Für den morgen anstehenden Quartalsbericht erwartet man einen Gewinn von 8,4 Cent pro Aktie, im Vorjahresquartal waren es nur 3 Cent.

Die aus den Schlagzeilen bekannte Mary Meeker, Internet-Analystin von Morgan Stanley und eine der wenigen ihrer Zunft, die trotz spekulativer Lobreden auf überteuerte Werte noch im Amt ist, hat Yahoo schon wieder einen 40-Seiten-Bericht gewidmet und jubelt „übergewichten“. Wer nach den Rekordhochs den Ausstieg verpasst hat, mag sich gar ermutigt sehen, die Aktie so lange zu halten, bis sie sämtliche Verluste wettgemacht hat.

Doch solche Träume gehören in den Bereich der Illusion: „Die Aktie ist teuer, teuer, teuer“, sagt Ioannis Papassavvas, Manager des DIT-Technologiefonds. Das Kurs-Gewinn- Verhältnis, das den Preis einer Aktie zum Gewinn in Beziehung setzt, hat mit 140 bereits astronomische Höhen erreicht. Auch das Kurs-Buch- Verhältnis von acht ist extrem hoch. „Acht“ heißt, der Marktwert von Yahoo ist acht Mal höher als die Summe der Bilanzposten. Maximal ein vierfacher Wert gilt als akzeptabel.

Optimisten mögen es mit Andreas Kraft halten, der für die DWS zwei Technologiefonds verwaltet. Er glaubt, dass das rasche Umsatzwachstum trotz des überteuerten Kurses weiter Anleger locken wird. „Wir halten die Aktie noch“, sagt er nach den kräftigen Kursgewinnen der letzten Wochen. Allerdings dürfte er auch zu wesentlich günstigeren Kursen eingestiegen sein als viele Privatanleger.

Richtig gut getroffen hat es auf jeden Fall Yahoo-Chef Semel: Zu seinem Antritt im Mai 2001 kaufte er eine Mill. Aktien zu je 17 $ – jetzt ist sein Investment 35 Mill. $ wert. Einen Privatanleger, der ein oder zwei Jahre vor Semel Yahoo-Papiere gekauft hat, sollte das unbeeindruckt lassen. Raus mit den Yahoo-Aktien, solange wenigstens ein Teil der Verluste wieder eingeholt ist, ist hier zu raten. Viel besser wird’s nicht mehr.

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