Rally in Sicht
Die Chancen für ein Ende des Seitwärtsmarkts steigen

Wenn sich an den Börsen fast nichts tut, kann das auch einmalig sein. Seit vielen Wochen bewegen sich die internationalen Aktienmärkte seitwärts. So lange schon, dass das rekordverdächtig ist.

DÜSSELDORF. In Europa hat sich der breit gefasste Index MSCI Europe in den vergangenen Wochen zwischen 1 023 und 954 Punkten bewegt. Die Bandbreite von sieben Prozent ist nach Recherchen von Morgan Stanley die engste der vergangenen 24 Jahre. Auch der US-amerikanische S&P-500-Index hat den größten Teil des Jahres in einer engen Spanne von rund acht Prozent gependelt.

Dass Märkte länger als achtzig Tage nur seitwärts gehen, kommt etwa alle zwei Jahre vor. Aber in Verbindung mit der derzeit engen Spanne zwischen oberer und unterer Grenze ist das fast einmalig. Gefragt sind jetzt charttechnische Analysten. Ohne nach Fundamentaldaten oder dem Umfeld zu fragen, prüfen sie gegenwärtige Marktkonditionen und vergleichen sie mit der Vergangenheit. Sie unterstellen, dass die Psyche des Menschen gleich bleibt.

Den derzeit lahmen Markt wertet eine Reihe von Technikern als Zeichen einer Erschöpfung: Es wird zwar nicht gekauft, aber auch kaum noch verkauft, weil Investoren fast alles, was sie losschlagen wollten, schon abgegeben haben. Dafür sprechen auch die niedrigen Handelsvolumen. „Gewöhnlich sind so schwache Umsätze ein Zeichen mangelnden Interesses, und das kann ein Zeichen dafür sein, dass der Boden erreicht ist“, sagt der erfahrene Charttechniker der Investmentbank Merrill Lynch, Richard McCabe. Erschöpfung ist für ihn stets ein guter Nährboden für neue Kursgewinne.

Tatsächlich ist der S&P 500 in der Vergangenheit nach einem derart langen und engen Seitwärtsmarkt fast immer nach oben ausgebrochen. Im Durchschnitt lag die Verbesserung bei etwas über fünf Prozent. Ein solches Szenario entspräche auch dem typischen Kursmuster nach einer kräftigen Rally wie der von März 2003 bis Anfang des Jahres. Einem solchen Aufschwung folgt meist eine Seitwärtsbewegung oder ein leichter Rückzug, ehe meist ein – weniger spektakulärer – Schwung nach oben einsetzt.

Allerdings verstehen viele Marktteilnehmer es als Warnzeichen, dass der weltweit als Standardmesslatte verwendete S&P 500 in den vergangenen Tagen seine 200-Tage-Trendlinie nach unten durchbrochen hat, eine Linie, die den Durchschnittspreis der vergangenen 200 Tage darstellt. Liegt der Index über dieser Marke, gilt dies im allgemeinen als ein positives Zeichen, durchbricht sie der Chart nach unten, gibt es häufig für die fallenden Kurse kein Halten mehr.

Weil Verkaufen im Moment aber kaum noch auf der Agenda der Anleger steht, muss vom Bruch der 200-Tage-Linie aber kein negativer Impuls ausgehen. In Zeiten, in denen die Märkte lustlos dahindümpeln, kann so ein Punkt eher wieder die Kauflust wecken, erläutert McCabe. Beobachten ließ sich dieses Phänomen bereits im März und im Mai dieses Jahres, als auf einen Bruch der 200-Tage-Linie jeweils eine Zwischenrally folgte.

Es spricht also einiges dafür, dass die Aktienmärkte noch in diesem Jahr neue Höhen erreichen. Doch das ist für Anleger kein Grund, jetzt unbesehen zu kaufen. Jeden einzelnen Wert prüfen, heißt die Devise. Nach einer Untersuchung von Morgan Stanley haben defensive Werte nach so einem engen Seitwärtsmarkt in der Vergangenheit am besten abgeschnitten. Dazu gehören Aktien aus den Sektoren Nahrungsmittel, Telekommunikation, Konsumgüter des täglichen Bedarfs und Pharma. Finanzwerte, Titel von Softwareunternehmen und Aktien aus konjunktursensiblen Branchen wie der Autoindustrie sollten Anleger dagegen sehr vorsichtig anfassen.

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