Realismus gefragt
Gedämpfte Erwartungen bei Hedge-Fonds

Teufelszeug oder Wunderwaffe? An kaum einem anderen modernen Investmentvehikel scheiden sich die Geister der Fachleute so stark wie an Hedge-Fonds.

FRANKFURT/M. Verteufelt wurde die moderne Form des Investierens, als von Nobel-Preisträgern gestützte „Experten“ des Überflieger-Hedge-Fonds LTCM Ende der neunziger Jahre die Stabilität des globalen Finanzsystems gefährdeten. Als Wunderwaffe wurden Hedge-Fonds gesehen, als sie in den depressiven Zeiten der Aktienbaisse in den Jahren 2000 bis 2002 positive Erträge abwarfen. Angesichts dieser Widersprüche ist die Frage nach dem Leistungsspektrum von Hedge- Fonds zu stellen.

„Der kluge Mann denkt etwas anders“, sagt Byron Wien von Morgan Stanley. Wer in der Königsdisziplin der Kapitalanlage Verantwortung trägt, sollte nicht nur ein kluger Mensch sein, sondern auch anders denken. Bekanntlich erzielen die Manager dieser Kapitalsammelstellen vor allem dann Geld, wenn sie ihre Strategie gegen den Trend ausrichten. Dies gilt vor allem für jene Fachleute, die Fondsgelder ohne jegliche Restriktionen in vielfältigen Strategien und an allen möglichen Finanz- und Rohstoffmärkten „arbeiten“ lassen können. Da es sich hier in der Regel um globale strategische Ansätze handelt, wird diese Strategie als „Global Macro“ bezeichnet.

Die für Hedge-Fonds-Manager in Deutschland geschaffenen neuen Organisationsstrukturen – nämlich die Einbettung in die Asset-Mana- gement-Branche – erweisen sich in diesem Kontext als Hemmschuh. Die eigentlichen Stärken der Manager kommen nicht mehr zur Geltung. Zwar trägt das neue Investmentmodernisierungsgesetz dem Gedanken des Anlegerschutzes Rechnung. Die vom Gesetzgeber erlassenen hohen Transparenzvorschriften erweisen sich jedoch – zumindest in in einigen Strategien – als „Ertragskiller“. Denn hoch professionell agierende Hedge-Fonds profitierten in der Vergangenheit davon, dass sie intransparente Situationen und daraus resultierende Ineffizienzen ausnutzten. Solche Ineffizienzen verschwinden nicht zuletzt durch die zunehmende Zahl weltweit agierender Hedge-Fonds.

Gerade dort, wo Kapital in der Strategie Long/Short-Equity eingesetzt wird, werden die Märkte effizienter. Hier werden als unterbewertet geltende Aktien gekauft und als überbewertet herausgefilterte Aktien leer verkauft. Bei der Auswahl von billigen und teuren Aktien bedienen sich Hedge-Fonds wohl traditioneller Analyse-Methoden. Ergo dürften viele zu den gleichen oder zumindest ähnlichen Ergebnissen kommen. Wenn aber immer mehr Marktteilnehmer das gleiche tun wollen, werden Märkte effizienter. Ertragschancen schwinden. Die von Hedge-Fonds für die ersten sechs Monate dieses Jahres vorgelegten enttäuschenden Resultate haben bereits einen Vorgeschmack darauf gegeben.

Damit zurück zur Ausgangsfrage: Was bringen Hedge-Fonds dem Anleger? Als Teil des Spektrums alternativer Kapitalanlagen sind sie nach geltender Lehre eine Depotbeimischung und leisten in dieser Rolle lediglich einen Beitrag zur Reduzierung des Risikos innerhalb des Gesamtdepots. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Dies scheinen immer mehr Anleger zu erkennen.

Aus einer Umfrage der auf die Fondsbranche spezialisierten Fachorganisation Morningstar geht hervor, dass institutionelle Investoren nicht nur immer stärker den Sinn von Hedge-Fonds begriffen haben. Sie sind auch in der Lage, die Ertragserwartungen dieser noch recht neuen Investmentform realistisch einzuschätzen. Fast 50 Prozent der befragten Institute glauben, dass sie für die an Hedge-Fonds gezahlten höheren Managementgebühren nicht ausreichend entlohnt werden. Eine realistische Einschätzung.

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