Risiko bei Autoanleihen
Autokonzerne schlingern

Wer sich die Anleihen von General Motors (GM) und Ford ansieht, könnte meinen, die Autokonzerne führen schon wieder in der Spur. Doch der Bondmarkt spiegelt die Realität im Falle der Autoanleihen nicht korrekt wider.

FRANKFURT. Wer sich die Anleihen von General Motors (GM) und Ford ansieht, könnte meinen, die Autokonzerne führen schon wieder in der Spur. Denn die Risikoprämien – also die Renditeabstände der GM- und Ford-Bonds im Vergleich zu Staatsanleihen – sind niedriger als noch Anfang Mai 2005.

Dabei hatten beide Konzerne vor anderthalb Jahren zwar wacklige aber noch einigermaßen gute Bonitätsnoten von den Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch. Alle drei stuften die Kreditwürdigkeit der Autokonzerne damals auf der untersten Stufe des so genannten sicheren „Investment-Grade“ ein.

Das hat sich drastisch geändert. Seit Mitte Mai setzen die Agenturen – den Anfang machte S&P – die Bonität von GM und Ford kontinuierlich nach unten und damit tief in den Bereich der ganz schwachen Schuldner.

Der Bondmarkt spiegelt die rasante Verschlechterung nicht wider. Die im Januar 2013 fällige GM-Anleihe zum Beispiel rentiert derzeit um die sieben Prozent; kurz vor der ersten Herabstufung lag die Rendite bei 13 Prozent. Der 2009 fällige Euro-Bond von Ford rentiert mit gut acht Prozent – nach fast zehn Prozent Anfang Mai 2005. Die Risikoprämien (Spreads) haben sich seitdem für beide Zinspapiere mehr als halbiert.

Zwischenzeitlich schnellten die Risikoprämien zwar sehr deutlich nach oben, doch seit Monaten sinken sie kontinuierlich. Das verwirrt auch Analysten. „Völlig plausibel ist die Entwicklung – vor allem bei Ford – nicht“, sagt etwa Bernhard Jeggle von der Landesbank Baden-Württemberg.

Insgesamt läuft die Entwicklung bei beiden Konzernen zwar in die richtige Richtung. Vor allem GM schafft es, die Kosten zu drücken. Konzernchef Rick Waggoner überraschte zum zweiten Mal in Folge mit Quartalszahlen, die besser waren als erwartet. Dennoch blieb unter dem Strich ein kleiner Verlust. Dafür ist der Verkauf der Finanzsparte fast in trockenen Tüchern.

Ford will zwar noch an seiner Finanzsparte festhalten, Investoren sehen einen möglichen Verkauf dennoch als eine Art Versicherung. Die könnte nötig sein, weil Ford in diesem Jahr auf einen Rekordverlust zusteuert.

Hinzu kommt, dass die operative Entwicklung bei beiden Konzernen noch fragwürdig ist. So sinken zum Beispiel die Marktanteile in den USA kontinuierlich. Wegen dieser unsicheren Lage halten die Ratingagenturen noch an ihren schlechten Einstufungen fest und stellen keine Besserung in Aussicht.

„Viele Investoren ignorieren die Risiken“, sagt Analyst Jeggle. Doch der einmal laufende Trend zu steigenden Kursen und sinkenden Risikoaufschlägen zieht schlicht immer mehr Investoren an, zu denen inzwischen auch viele Hedge-Fonds gehören. Der Herdentrieb ist aber auch ein Problem; bei schlechten Nachrichten kann er schnell wieder umschlagen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%