Risiko Geldanlage
Nur das kaufen, was man versteht

Gleich zwei große Vermögensformen erscheinen vielen Anlegern derzeit unattraktiv: Festverzinsliche und Aktien. Stattdessen setzen sie auf verschachtelte Angebote oder Hebelprodukte. Doch hier lauert Gefahr.

FrankfurtZins ist derzeit Mangelware. Termingeld bringt meist weniger als zwei Prozent. Sogar bei Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit steht nur noch eine Zwei vor dem Komma. Aktien schrecken viele Investoren nach zwei großen Kursstürzen in einer Dekade ab. Einen dritten Kollaps wollen sie nicht mehr mitmachen. Doch gibt es Auswege? Jedenfalls glauben Anleger, Alternativen gefunden zu haben.

Variante eins, für den ängstlichen Anleger: Nervenschonend sollen sie sein, die unzähligen Produkte, die Verluste begrenzen und gleichzeitig bei Aktienkurssteigerungen gewinnen. Diese verschachtelten Angebote setzen Derivate ein und werden häufig als Zertifikate angeboten.

Variante zwei, für mutige Anleger. Sie haben sogenannte Hebelprodukte entdeckt. Diese sehr risikoreichen Offerten vervielfachen auch kleine Gewinne beispielsweise bei einem Index. Mutig sind die Anleger, weil der Hebel auch in die andere Richtung wirkt. Das eingesetzte Geld kann also schnell verloren sein.

Großinvestoren wie Pensionskassen und Vermögensverwalter haben beide Varianten ausprobiert. Und sie haben ein vernichtendes Urteil gefällt. Amin Rajan, Leiter der britischen Analyse- und Beratungsfirma Create, befragte weltweit Profiinvestoren nach ihren Erfahrungen mit den wichtigsten Vermögensformen und Anlagestrategien. Die schlechtesten Noten erhielten die beiden beschriebenen Ansätze.

Nur das kaufen, was man versteht

Die Risiken von Hebelprodukten sind leicht erkennbar. Hier droht wie im Kasino der Totalverlust. Bei den Angeboten mit eingebautem Airbag sind die Fallstricke oft verborgen. Rajan kennt Beispiele, bei denen die Verlustbegrenzung erst nach starken Abstürzen greift, die Gewinnchance bei steigenden Kursen aber sehr begrenzt ist. Einen "Horror" nennt er das.

Erfahrungen von Profis können sich private Anleger zunutze machen. Hebelprodukte sollte sich nur anschauen, wer über Spielgeld verfügt, eine starke Meinung zu einem Markt oder Einzelwert hat und eine kurzfristige Wette wagen will. Zertifikate mit Airbag sind wenig transparent. Sie leiden häufig unter hohen versteckten Kosten und haben außerdem ein Ausfallrisiko, falls die ausgebende Bank insolvent werden sollte.

So haben die vermeintlichen Alternativen Tücken. Transparenz ist entscheidend. Der Anleger muss die Produktkonstruktion, das Risiko-Ertrags-Profil und die Kosten kennen. Er sollte wissen, worauf er sich einlässt. Der Super-Investor Warren Buffett empfiehlt zu Recht: Nur das kaufen, was man versteht.

narat@handelsblatt.com

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