Bulle + Bär
Rohstoff-Orakel

Stehen wir an einer wirtschaftlichen Wende? Und wenn ja, gewinnt die Konjunkturerholung an Fahrt? Antwort auf diese Fragen suchen viele Volkswirte am Anfang eines Aufschwungs bei den Rohstoffpreisen. Aber diesmal ist es anders. Zwar steigen die Rohstoffpreise tatsächlich: das Marktbarometer Dow-Jones-AIG-Commodity-Index zum Beispiel hat in diesem Jahr fast acht Prozent gewonnen. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen löst bei einigen Analysten eher Bedenken als Erleichterung aus.

Die Preise sind aus den falschen Gründen gestiegen, sagen Experten mit Beunruhigung. Ein Engpass beim Angebot habe zu der Verteuerung geführt und nicht eine Erhöhung der Nachfrage, welche ein wirklich positives Zeichen für die breitere Wirtschaft wäre.

Zudem seien besonders die Preise für Energie und Gold nach oben geschossen. Und genau diese beiden Bereiche müssten sich eigentlich verbilligen, wenn die Konjunkturlokomotive wieder anschiebt. Gold, das traditionell als sicherer Anker für nervöse Investoren gilt, hat an der New Yorker Rohstoffbörse Comex in diesem Jahr um 4,4 Prozent zugelegt.

Auf den Energiemärkten beträgt der Jahreszuwachs bei Erdgas immer noch 3,7 Prozent, auch wenn seit dem 1. Juni die Preise um 21 Prozent zurückgegangen sind. Rohöl hat an der Nymex in New York zwar bisher in diesem Jahr 1,6 Prozent verloren. Aber das Preisniveau seit Jahresbeginn sei aufgebläht und daran habe sich bis jetzt nicht viel geändert, sagen Händler. Seit dem 1. Juni ist Rohöl um 3,9 Prozent gestiegen. Der Grund dafür seien die politische Instabilität in Irak und Nigeria und die strikten Lieferkontrollen Saudi-Arabiens, urteilen Marktbeobachter.

Dagegen stecken gerade einige der Rohstoffe in der Flaute, die traditionell klassische Signale dafür wären, dass die Verbraucher wieder mehr ausgeben. Agrarprodukte und Rohmaterialien lassen keine eindeutige Tendenz erkennen, die Getreidepreise sind auf Grund der ungünstigen Witterung in den USA in diesem Jahr wenig verändert.

Holz und Kupfer sind zwar stark gestiegen. Beide Bereiche hatten aber in dieser Woche mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Bei Holz hätten die Waldbrände in Kanada dazu beigetragen, dass sich die Preisentwicklung eindrucksvoller als gerechtfertigt darstellt.

Allgemein vergleichen die Analysten die derzeitige Lage mit der Situation im vergangenen Jahr, als der DJ-AIG-Index um ein Viertel geklettert war, die Wirtschaftsentwicklung im Ganzen aber weiter nachließ. Hoffnung auf eine konjunkturelle Wende geben die Rohstoffmärkte also derzeit nicht.

Falls die Rohölpreise für 15 bis 18 Monate über 30 Dollar je Barrel bleiben, könnte das jede Konjunkturverbesserung abblocken, warnt der unabhängige Energie-Analyst Phil Verleger. Das US-Bruttoinlandsprodukt könnte durch eine solche Entwicklung bis zu 0,4 Prozentpunkte im Jahr einbüßen.

„Die hohen Ölpreise sind einfach schrecklich für unsere Wirtschaft“, sagt Verleger. "Jeder redet ständig darüber, dass sich die Ölproduktion in Irak wieder normalisieren wird. Aber das wird solange keinen großen Unterschied machen, bis die Förderung des Landes auf einem so bedeutenden Niveau ist, dass Irak die Marktkontrolle der Saudis beschneiden kann, die ihre Lagerbestände knapp halten."

Wayne Angell, der ehemalige Fed-Gouverneur sieht die größte Gefahr für die US-Wirtschaft dennoch nicht in den hohen Rohstoffpreisen: „Die größte Gefahr bleibt immer noch eine Deflation“, sagt Angell.

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