Rohstoff
Uran strahlt ins Depot

Immer höher, immer schneller: Der Uranpreis scheint jeden neuen Rekord ein ums andere Mal übertreffen zu wollen. Vor vier Jahren wurde das halbe Kilo noch zu einstelligen Dollarpreisen gehandelt. Vor vier Wochen sprang der Preis des nuklearen Energiespenders locker in die Dreistelligkeit; Anfang Mai galten 120 Dollar als das neue Maß der Dinge.

FRANKFURT. Und in der ganzen Zeit hat der Preis nicht einmal korrigiert. Wann hat es in der Finanzwelt so etwas schon gegeben? Wohl noch nie.

Den jüngsten Coup landete die Warenterminbörse in New York. Am Montag startete die Nymex den Handel mit Terminkontrakten auf Uran. Und das mit einem Paukenschlag: Für den Juni-Kontrakt wurden in der Spitze 140 Dollar gezahlt.

Die Uran-Enthusiasten hoffen darauf, dass die Nymex-Initiative den Rohstoff endgültig salonfähig und für breitere Anlegerkreise interessant macht. Bisher schlossen Förderer und Verbraucher wie Versorgungsunternehmen meist direkte Lieferverträge – damit blieb kein Raum für den Einstieg von Privatinvestoren in das Geschäft mit dem sensiblen Metall.

Trotz der Super-Hausse sind nur wenige Investoren auf den Zug aufgesprungen. Vertreter dieser Minderheit reiben sich die Hände. Aktien von Fördergesellschaften und Explorationsunternehmen entpuppten sich als wahre Reichmacher. Die Aktie des kanadischen Weltmarktführers Cameco ist heute zehn Mal so teuer wie vor vier Jahren. Ein Explorationsunternehmen wie Paladin Resources war damals an der Börse Sydney für ein paar australische Cent zu haben und kostet derzeit fast zehn Dollar.

Neuerdings mischen auch Zertifikateemittenten und Fondsanbieter in diesem Aktiengeschäft mit. Adressen wie Merrill Lynch, ABN Amro, UBS, Société Générale, DWS und Axxion haben das nukleare Anlegerspiel entdeckt. Sie argumentieren mit Engpässen bei Energieträgern wie Öl und setzen im Zuge der Klimadebatte auf die Renaissance der Nuklearenergie, einer Energiequelle, die ohne die beklagten Emissionen von Treibhausgasen auskommt.

Angesichts der steigenden Nachfrage für Uran und des begrenzten Angebots denken die Optimisten schon über die nächsten Preisziele nach. Der deutsche Fondsmanager Werner Ullmann gerät beim Thema Uran ins Schwärmen und glaubt fest an 200 Dollar. Weiss Research in den USA erklärt knapp 300 Dollar zum nächsten Etappenziel. Die Zeit ist jetzt wohl reif für Superlativen: Einige Wagemutige aus der Uranindustrie nehmen bereits die 1000er-Marke in den Blick.

So ist die magische 1000 wieder im Spiel. Erinnerungen werden wach an den umstrittenen Fondsguru Bernd Förtsch, der in der Interneteuphorie ein Kursziel in gleicher Höhe für eine damals bei rund 300 D-Mark notierende Aktie ausgab – die dann kollabierte und die investierten Anleger ruinierte. Das wird hier kaum passieren. Aber Vorsicht tut Not. Viele Uranaktien sind nach ihren Höhenflügen überaus ambitioniert bewertet.

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