Rosneft-Aktie
Papiere mit Tücken

Wer über die Wertpapiersuche seines deutschen Online-Brokers die in Moskau gehandelte Aktie der russischen Ölgesellschaft Rosneft sucht, der findet unter anderem Notierungen in Frankfurt und in Berlin-Bremen. Der Anleger kann die im Juli neu herausgegebene Aktie als „OJSC O.C. Rosneft GDR Regs“ problemlos ordern. Die wenigsten Investoren wissen jedoch, was für ein Papier sie damit ins Depot nehmen.

FRANKFURT. Für deutsche Privatanleger, die unbedingt in Rosneft-Aktien investieren möchten, gibt es allerdings keine Alternative zu dieser Klasse von Wertpapieren. Sie sollten sich jedoch nicht der Illusion hingeben, damit die Aktie des Ölkonzerns mit 15 Mrd. Barrel Ölreserven und 691 Mrd. Kubikmeter Gasreserven zu erwerben. Vielmehr kauft der Anleger so etwas wie ein Zertifikat von JP Morgan. Glücklicherweise lassen sich die Scheinaktien leicht erkennen: Sie tragen immer „GDR“ oder „ADR“ im Namen.

Bei diesen „Global Depository Receipts“ und ihren Verwanden den „American Depository Receipts“ gibt die Konsortialbank – im Falle Rosnefts ist das das US-Institut JP Morgan – im Auftrag des Unternehmens ein Wertpapier heraus, dessen Kurs sich grob an dem der zugrunde liegenden Aktie orientiert. Es ist aber anders als eine Aktie kein Anteilsschein an dem Unternehmen, sondern verkörpert lediglich ein Miteigentum an einem Aktienbestand, der durch die Bank gedeckt wird. Im Idealfall liegt für jedes GDR eine Aktien bei einer Hinterlegungsbank. Bei Rosnefts ist das die Moskauer Sberbank.

An der Deutschen Börse werden 376 solcher Hinterlegungszertifikate gehandelt – hauptsächlich auf Werte aus Ländern, die Ausländern nur beschränkten Zugang zum eigenen Kapitalmarkt gewähren. Typisch sind Thailand, Südkorea oder Russland. Der Wert der Hinterlegungszertifikate bewegt sich zwar in vielen Fällen einigermaßen parallel zur entsprechenden Aktie. Doch es gibt Ausnahmen, denn GDR’s sind letztlich eigenständige Wertpapiere. Der Wert des in Frankfurt gehandelten GDR des südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung zum Beispiel läuft gegenüber dem Aktienkurs an der Börse Seoul schon mal bis zu zehn Prozent auseinander. Wenn etwa Anleger in Europa das GDR ordern, steigt also dessen Kurs unabhängig vom Geschehen in Fernost. Der Grund: GDR’s für Aktien aus Ländern, deren Märkte sehr undurchlässig sind, entwickeln oft ein Eigenleben.

Die Hinterlegungszertifikate haben im Vergleich zur Aktie eine ganze Reihe von Nachteilen für den Investor. Sie steigen bei einem Kursanstieg langsamer, bei Kursstürzen fallen sie dagegen oft schneller. Meist gibt es nur eine reduzierte Dividende, oft gar keine. Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, der Spread, ist größer, was die indirekten Transaktionskosten erhöht. Dazu haben die Anleger kein Mitspracherecht auf Hauptversammlungen.

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