Rückt das Geld raus!
Unternehmen sollten hohe Barreserven ausschütten

Weltweit brummt das Geschäft für viele Unternehmen. Zahlreiche Konzerne häufen immer höhere Bargeldberge an. Damit steigt der Druck, mehr Geld an Aktionäre auszuschütten – als Dividende, als Sonderdividende oder in Form von Aktienrückkäufen.

HB NEW YORK. In den USA arbeiten die Unternehmen so profitabel wie seit 50 Jahren nicht mehr. Das geht aus Zahlen der US-Notenbank hervor, die das Verhältnis frei verfügbarer Einnahmen zum Umsatz erfasst. Mit einer Umsatzmarge von rund sechs Prozent haben Amerikas Firmen (ausgenommen Finanzinstitute) eine Rentabilität erreicht, die sie zuletzt Ende der 50er-Jahre erlebten.

Anlagestratege Ajay Kapur von der US-Bank Citigroup hat kürzere Datenreihen für Europa und Japan untersucht und findet dort ebenfalls Rekord-Umsatzmargen. Bei Europas Firmen bleiben im Schnitt fünf Cent von jedem verdienten Euro hängen, in Japan sind es vier Yen Free Cash Flow je hundert Yen Umsatz – beides die höchsten Stände seit Ende der 80er-Jahre.

Grundsätzlich haben die Firmen drei Möglichkeiten, ihre Cash-Berge wieder los zu werden: Erstens, sie können ins eigene Geschäft investieren, um neues Wachstum zu erschließen. Zweitens, sie können andere Unternehmen kaufen. Drittens, sie können Schulden abbauen. Viertens, sie können das Geld ihren Aktionären geben.

Die letztgenannte Alternative vernachlässigen die Konzernmanager bislang. Der Gewinnanteil, den die Konzerne als Dividende ausschütten, ist zurzeit ungewöhnlich niedrig. Das die Konzerne ihre Bargeldbestände horten, geschieht häufig. Denn Geld ist Macht, und welcher Vorstand verzichtet darauf schon freiwillig? Kein Wunder, dass viele US-Manager ihre vollen Kriegskassen lieber für teure Übernahmen nutzen, als damit die Aktionäre zu beglücken.

Doch die Hauptversammlungs-Saison naht, und mancher Vorstandschef wird um eine Erhöhung der Dividende kaum herumkommen. Bislang zahlen amerikanische Unternehmen im Schnitt nur jährliche Dividenden im Wert von 1,8 Prozent des Aktienkurses. In Europa erhalten Investoren üppigere 2,7 Prozent. Angesichts der prall gefüllten Taschen bei den Unternehmen könnten die Ausschüttungen deutlich steigen.

Langfristig bestimmt die Dividende einen großen Teil des Gesamterfolgs von Aktienkäufern, betont Philip Isherwood von Dresdner Kleinwort Wasserstein, der Investmentbank-Tochter der Allianz-Versicherung. Kurszuwächse allein können eine magere Dividendenrendite erfahrungsgemäß kaum ausgleichen, so Isherwood.

Es muss ja nicht immer eine reguläre Dividende sein. Der US-Softwareriese Microsoft zahlte seinen Aktionären – nicht zuletzt Firmengründer Bill Gates – eine Sonderausschüttung von 32 Mrd. Dollar. Das war die größte Ausschüttung der Wirtschaftsgeschichte.

Citigroup-Stratege Kapur meint, dass andere Informationstechnologie-Unternehmen ähnliche Schritte wagen könnten. Traditionell hat die Branche ihre Gewinne weitgehend reinvestiert, um schneller wachsen zu können. Aber große Technologiekonzerne wie Oracle und Cisco stehen unter wachsendem Druck, mehr Gelder an ihre Aktionäre aus-zuschütten.

In Deutschland bietet BASF laut Citigroup gute Aussichten auf eine steigende Dividende. Der Chemieriese zahlt heute schon eine robuste Dividende in Höhe von 2,5 Prozent des Aktienkurses. Doch gemessen an den hohen Einnahmen könnte BASF weitaus mehr ausschütten.

Die Aktie des italienischen Modekonzerns Bulgari stellt eine weitere Chance für Anleger dar, die auf positive Dividenden-Überraschungen spekulieren wollen. Der zuständige Branchenanalyst Roberto Cassoni berichtet, dass Bulgari seine Ausschüttungsquote stark erhöhen will: Statt bislang 30 Prozent des Gewinns sollen künftig 70 bis 80 Prozent des Ertrags als Dividende den Aktionären zugute kommen.

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