Ruhm ist vergänglich
Fonds-Rankings haben ihre Tücken

Die Vergangenheit ist kein guter Ratgeber für den Kauf eines Aktienfonds. Nur weil ein Fondsmanager in den Renditetableaus seinen Fonds nach oben wirtschaftete, muss das im Jahr danach noch lange nicht so sein.

DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der SEB Invest, die den Zusammenhang zwischen dem Platz in der Rangliste und dem Abschneiden in den Folgejahren untersucht. Der Studie nach macht es genauso wenig Sinn in ein Produkt mit einem Top-Ranking zu investieren wie in das Schlusslicht der Rangliste.

Der SEB-Studie zufolge liegen die Top-Fonds im Folgejahr zwar noch im oberen Drittel der Ranglisten – nach drei Jahren ist die Performance aber bestenfalls noch durchschnittlich. Beispiele dafür gibt es zuhauf: der Klassiker DWS Vermögensbildungsfonds I, der Deka-Spezial oder der Baring European Growth Trust – alle einst gefeierte Renditejäger – haben in den vergangenen drei, vier Jahren deutlich schlechter abgeschnitten.

Und vergleicht man die Tops und Flops über mehrere Jahre, dann gibt es fast keine Renditeunterschiede mehr. Eine amerikanische Studie mit dem gruseligen Namen „Kiss of Death“, die vor sechs Monaten veröffentlicht wurde, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, formuliert es aber ungleich drastischer: Die Top-Note sei auf Sicht von drei Jahren der „Todesstoß“ für einen Fonds.

Rankings sind vergangenheitsbezogen und für eine Prognose künftiger Erträge gänzlich ungeeignet. Und Ruhm ist nun einmal vergänglich. Allein dem Anleger fehlt die Vernunft – er investiert sein Geld dann doch lieber in Fonds, die in den Ranglisten unter den Top Ten auftauchen. Es ist fast ein bisschen wie bei der Oscar-Verleihung: Gewinnt ein Film die begehrte Trophäe, strömen weit mehr Besucher ins Kino als ohne das Gütesiegel aus Hollywood.

So ziehen in den USA die von der Agentur Morningstar nach Rendite- und Risikoaspekten bewerteten Fonds bis zu 90 Prozent der Anlagegelder an. In Deutschland ist der Herdentrieb zwar nicht ganz so ausgeprägt, aber auch hier beeinflussen die Rankings die Investitionsentscheidung maßgeblich.

Dabei schaden die beträchtlichen Summen, die die Top-Fonds anziehen, der künftigen Performance manchmal mehr als sie nützen: Gerade in wenig liquiden Märkten, in denen Nischenfonds investieren, ist Vorsicht angebracht. Denn je schneller das Volumen eines Fonds wächst, desto schwieriger wird es auch, das viele Geld in attraktive Werte zu investieren.

Außerdem geht die Strategie der einzelnen Fonds je nach Konjunkturlage unterschiedlich auf: einmal laufen Wachstumswerte, ein anderes Mal unterbewertete Value-Titel. Doch nicht nur die Anlagestrategie führt zu derartigen Performanceschwankungen, auch der Fondsmanager selbst ist verantwortlich für das Auf und Ab in den Rankings, schließlich macht Erfolg eitel. Gerade junge Fondsmanager glauben nach nur einem erfolgreichen Jahr, sie könnten alles. Und wenn das Depot im Folgejahr in den Keller geht, gehen sie häufig noch höhere Risiken ein. Der Abwärtstrend verstärkt sich dadurch aber nur. Anleger sollten der SEB-Studie zufolge lieber auf die Erfahrung des Fondsmanagers schauen als auf die Performance in der Vergangenheit.

Aus diesem Grund nehmen einige Rating-Agenturen auch die weichen Erfolgsfaktoren unter die Lupe: die Fähigkeit des Fondslenkers und seines Teams, die Stabilität der Firmenorganisation und vieles mehr. Das ist der Königsweg, sagen die Protagonisten. Zwar ist auch dieser Ansatz nicht der Schlüssel zum garantierten Reichtum. Aber: Für den Anleger ist ein weiteres Auswahlinstrument bei der Kaufentscheidung besser als nur eines.

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