Sanofi-Aventis lockt Aktionäre mit guten Nachrichten
Positiv überrascht

Die Erfahrung lehrt, das rund die Hälfte aller Großfusionen scheitert, sprich, sie den Aktionären nicht die versprochene Wertsteigerung bringt. Es ist gewiss zu früh, bereits jetzt ein Urteil über den Zusammenschluss des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis und der französischen Sanofi zu fällen.

Aber selbst Kritiker der feindlichen Übernahme von Aventis durch die Sanofi räumen ein, dass die ersten Ergebnisse des neuen Konzerns sehr ermutigend sind.

Konzerlenker Jean-François Dehecq scheint Recht mit seinem Credo zu behalten, dass nur im Zuge einer feindlichen Übernahme schnelle Entscheidungen möglich sind, die notwendig sind, um solch einen Deal zum Erfolg zu führen. Die Aktie könnte also noch von einigen positiven Nachrichten profitieren.

Mit großer Zufriedenheit hat die Börse registriert, dass der Konzern im vergangenen Jahr statt der in Aussicht gestellten Synergien von 160 Millionen Euro 220 Millionen Euro erzielt hat. Noch wichtiger: Das Synergie-Ziel von 1,6 Milliarden Euro bis Ende 2006 wurde bestätigt. Von den 1,6 Milliarden Euro sollen 600 Millionen Verkaufssynergien sein. Hier deutete Dehecq bereits an, dass diese Ziffer nach oben korrigiert werden könnte.

Dass er die Kostensynergien nicht höher veranschlagt hat, könnte mit politischer Rücksichtnahme begründet sein. Wenn der Aufkäufer kurz nach der Übernahme bei den Einsparungen noch eine Schippe drauf legt, dürfte dies nur den Widerstand der Belegschaft heraufbeschwören. Die guten Erfolge beim Kostensenken kurz nach der Übernahme geben indes Anlass zur Hoffnung, dass das Management in diesem Feld noch positive Überraschungen wird bieten können.

Der Absatz 2004 profitierte stark von den derzeitigen Blockbustern wie dem Blutverdünner Plavix. Doch wichtiger für die Zukunftsaussichten ist der Vorrat an neuen Wirkstoffen. Und hier braucht sich Sanofi-Aventis wahrlich nicht zu verstecken.

Vielversprechend sehen zum Beispiel die Entwicklungen des neuen Medikaments Acomplia aus. Die vom Management präsentierten Testergebnisse zeigten signifikante Erfolge von Acomplia gegen Fettleibigkeit – der neuen Zivilisationskrankheit, vor allem in den Vereinigten Staaten. Erst diese Woche wurden neue, positive Testergebnisse veröffentlicht. Das Mittel soll voraussichtlich bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommen und hat laut Analysten das Zeug zu einem neuen Bestseller.

Zudem ist positiv anzumerken, dass der Konzern bislang sauber bei der Entwicklung neuer Medikamente gearbeitet hat. Bislang ist es Sanofi-Aventis erspart geblieben, einen seiner Umsatzträger vom Markt zu nehmen. Mit Sicherheit ausschließen lässt sich dieses Risiko indes nie.

Das größte Risiko für den Aktienkurs kommt aus einer anderen Richtung: Gemeint sind die Prozesse mit Generika-Herstellern, die den Patentschutz der Blockbuster anfechten, um mit billigen Nachahmer-Produkten auf den Markt zu kommen.

Die erste Entscheidung im Prozess um den Blutverdünner Plavix wird für das zweite Halbjahr 2005 erwartet. Ein Urteil zugunsten der Generika-Hersteller würde ohne Zweifel einen Kurssturz der Sanofi-Aventis-Aktie auslösen. Im umgekehrten Falle eines juristischen Siegs dürfte das Papier dagegen einen kräftigen Kurssprung machen. Wie der Prozess aber ausgehen wird, ist kaum ernsthaft zu prognostizieren.

Risikoscheue Anleger könnte diese Problematik vor einem Kauf der Aktie abschrecken. Aktien-Investments sind eben manchmal wie Medizin: nie ganz frei von Risiken und Nebenwirkungen.

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