Schattendasein
BB Medtech ist nicht gerade ein Liebling der Anleger

Die Situation bei BB Medtech ist kurios: Um rund 200 Prozent hat die Aktie in den letzten zwei Jahren zugelegt. Dennoch sind die Aussichten weiterhin offenbar sehr gut. Wer das Potenzial der Aktie direkt vor Augen haben will, der muss nur auf die Web-Site der Muttergesellschaft klicken (www.bellevue.ch).

FRANKFURT/M. Dort sah er beispielsweise gestern, dass zwischen Aktienkurs und dem Wert, den die Beteiligungen an der Börse zeigen, eine Lücke von über zehn Prozent klafft. Das kann tagesaktuell relativ einfach anhand der Differenz zwischen dem eigenen Aktienkurs und dem Börsenwert der mittelgroßen, vorwiegend europäischen Medizintechnik-Firmen errechnet werden, an denen BB Medtech beteiligt ist.

Dennoch ist die Aktie nicht das, was landläufig als „Anlegers Liebling“ bezeichnet werden kann. Das liegt in erster Linie an der Konkurrenz aus dem eigenen Haus. BB Biotech ist ebenfalls an der Börse notiert, die Aktie ist sogar drittstärkster Wert im TecDax. Dass BB Medtech wohl auf ewige Zeit im Schatten von BB Biotech stehen wird, liegt nur unwesentlich daran, dass der Bilanzwert von BB Biotech rund zweieinhalb mal so groß ist wie der der kleinen Schwester. Er hängt viel mehr mit dem unterschiedlichen Ansehen zusammen, das beide Branchen an der Börse genießen. Gilt die Biotechnologie als Spielwiese für innovatives Forschen mit größtenteils unübersichtlichem und damit spekulativem Ausgang, so steht die Medizintechnologie als wichtige Schlüsselindustrie mit konkretem Nutzen. Hier ein neuer Wirkstoff, der alles Dagewesene vergessen machen soll, dort ein Zahnimplantat oder eine Beinprothese. Mancher Börsianer fühlt sich zurecht an den unterschiedlichen Stellenwert von Software und Hardware erinnert. Auch die Hardware hat es an der Börse wesentlich schwerer als die Software.

Hinzu kommt, dass es weitaus weniger attraktive Medizintechnik- als Biotech-Investments gibt. Das führt zu einer internen Spezialität. Mehr als zwei Drittel des BB Medtech-Portfolios nimmt die Aktie von Nobel Biocare ein. Viele Anleger setzen deswegen lieber gleich auf ein Direktinvestment in Nobel Biocare. Zwar haben erst am vergangenen Dienstag 200 000 Nobel-Aktien an der Züricher Börse den Besitzer gewechselt. Dass die Papiere aus den Beständen von BB Medtech stammen, ist indes unwahrscheinlich.

Zwar ist es vorstellbar, dass sich das Management den übermächtig großen Portfolio-Posten reduzieren will. Dass dies aber kurz vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen am Donnerstag passieren soll, ist unwahrscheinlich. Andererseits ist auch nicht einsichtig, warum BB Medtech seinen Anteil an einem Unternehmen verringern sollte, das eine viel versprechende Produktpipeline sein Eigen nennt. Interessant ist beispielsweise das Projekt „Teeth-in-an-hour“, bei dem Patienten festsitzende Zähne in nur einer Sitzung geboten werden sollen. Andere große Beteiligungen sind übrigens Drägerwerk mit einem Portfolioanteil von 14 Prozent und Sythes-Stratec mit neun Prozent.

Gerade für große Investoren kommt bei der Frage, ob nun ein Investment in BB Biotech oder BB Medtech eher Sinn macht, noch ein wesentlicher Aspekt dazu. BB Biotech ist im TecDax gelistet und dürfte dort nach dem Ausscheiden von T-Online zum zweitstärksten Wert aufsteigen. BB Medtech ist dort nicht vertreten, was vor allem an den geringen Börsenumsätzen liegt. Ohne TecDax-Zugehörigkeit steigen jedoch nicht die Aktienumsätze. Aber ohne wachsende Umsätze hat die Aktie wohl auch bei der nächsten Indexüberprüfung Anfang März nur Außenseiterchancen auf den Aufstieg. Es ist ein Teufelskreis.

Die BB Medtech-Aktie kann sich also in Zukunft noch so gut entwickeln. Ein Liebling der Anleger wird sie nie.

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