Schlecht geblufft
Partygaming stürzt ab – die Branche leidet

Anleger in London erleben derzeit ein Déjà-vu der grausamen Art. Der Kurs des Online-Pokerhauses Partygaming stürzt um mehr als ein Drittel bis unter das Emissionsniveau und zieht die ganze Branche mit sich. Die Aktie des Internet-Spieleanbieters Empire Online fällt um gut ein Zehntel, das Wettinstitut Sportingbet verliert gar 16 Prozent.

HB LONDON. Dabei ist wenig Spektakuläres passiert. Gut, das Halbjahresergebnis von Partygaming ließ die optimistischen Prognosen platzen. Aber wer des Lesens mächtig ist, konnte, ja musste so etwas vorausahnen. Im Emissionsprospekt für den Börsengang vor zwei Monaten waren die Risiken genau aufgeführt. Es handelt sich grob gesagt um ein Einprodukt-Unternehmen, das aufgrund niedriger Marktbarrieren jederzeit Konkurrenz fürchten muss. Der größte Umsatz der Firma kommt aus den USA – einem Land, das diese Form des Spielens jederzeit verbieten kann. Die Warnungen standen nicht nur im Prospekt, diverse Analysten hatten seit dem IPO stets darauf hingewiesen.

So etwas weckt unschöne Erinnerungen. Vor gut fünf Jahren platzte etwas, was als Internetblase in die Geschichte einging. Damals sponnen die Auguren das Wolkenkuckucksheim, dass bald alle Geschäfte ins Internet verlagert würden. Überraschend ist an dem Fall Partygaming, dass Gier die Erinnerung der Anleger so schnell verdrängte. So stark hatte der Kurs in den vergangenen Monaten angezogen, dass sich die Firma gleich im Footsie-Index der hundert größten britischen Firmen wiederfand. Doch wiederholt sich die Geschichte nicht ganz: Diesmal platzte die Blase weit schneller als im Jahr 2000. Auch ist davon auszugehen, dass die Anleger diesmal Risiken bewusster eingingen.

Für Konkurrenten wie den Casino-Betreiber 888.com, der noch im September an die Börse will, kommen die Nachrichten jedoch zur Unzeit. Ein Sprecher betonte zwar, dass das Geschäftsmodell ein anderes sei als bei Partygaming, und in der Tat hat 888.com zumindest weniger Geschäft in Ländern, in denen eine Änderung der Spielregeln droht. Doch die Branche wird weiter unter Partygaming leiden, ob zu Recht oder nicht.

Das Pokerhaus selbst muss jetzt zeigen, dass es langfristig erfolgreich sein kann. Das Geld, dass die Firma durch ihr IPO eingesammelt hat, will sie für die anstehende Konsolidierung verwenden. Im Mittelpunkt muss die Diversifizierung des Geschäfts stehen. Vorerst sollten Anleger mit schlechten Nerven die Finger von Partygaming lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%