SDax-Aktien werden kaum beobachtet – zu Unrecht
Die Mauerblümchen

FRANKFURT. Sie strahlen zwar nicht selbst im hellsten Licht, im Schatten der großen Aktien gedeihen sie dafür aber recht gut: Die Börsenzwerge im S-Dax. Der kleinste Bruder des Deutschen Aktienindex gilt als Wiese für Mauerblümchen. Dabei wären Anleger auch in diesem Jahr wieder gut beraten gewesen, den Börsenminis einen Teil ihres Geldes anzuvertrauen: Seit Jahresbeginn ist der S-Dax um 14 Prozent gestiegen, während die großkapitalisierten Indizes wie Dax oder Euro Stoxx 50 gelangweilt auf der Stelle treten.

Der Anstieg des S-Dax findet seit zwei Jahren allerdings im Verborgenen statt: Knapp ein Fünftel der 50 im Index enthaltenen Titel steht bei jeweils nur einem einzigen Analysten weltweit auf dem Radarschirm. Für mehr als die Hälfte der Werte fühlen sich lediglich vier oder weniger Experten zuständig. Dies geht aus Daten vom Finanzinformationsdienst Thomson Financial hervor, die das Analyseunternehmen Starmine ausgewertet hat. Vier Aktien müssen sogar ganz ohne Coverage auskommen: der Einzelhändler AVA, die Baader Wertpapierhandelsbank, Pfleiderer aus dem Baugewerbe und Matchnet, ein US-Anbieter von Internet-Datingdiensten.

Der Grund für diese Entwicklung: S-Dax-Aktien gelten wegen geringem Streubesitz oder kleiner Marktkapitalisierung als schwer handelbar. Dadurch könnte es Probleme geben, Titel, die heute attraktiv erscheinen, morgen wieder zu verkaufen. Milliardenschwere Fonds dürfen deshalb beispielsweise maßgebliche Summen nur in Titel mit hohen Umsätzen investieren, in die sie leicht ein- und aussteigen können ohne dadurch deren Kurs stark zu beeinflussen. Klar, dass diese Adressen keine Analysen von S-Dax-Werten nachfragen. Und ohne Nachfrage kein Angebot.

Doch wenig Coverage bedeutet nicht wenig Kurspotenzial – im Gegenteil! Für interessierte Anleger heißt das Schattendasein der S-Daxe lediglich, dass sie genauer hinschauen und kenntnisreich selbst recherchieren müssen. Das ist zwar mühsam, zeitaufwendig und manchmal auch gefährlich. Denn sollte es zu negativen Entwicklungen bei den einzelnen Unternehmen kommen, werden Anleger womöglich gar nicht oder zu spät gewarnt. Dennoch: Wer die richtigen Depotperlen für sich herausfischt, wird großzügig belohnt: Käufer, die beispielsweise im Mai 2003 beim Konzertveranstalter CTS Eventim zugegriffen haben, freuen sich mittlerweile über ein Plus von knapp 400 Prozent. Der Leasingexperte Grenkeleasing stieg seit Jahresanfang um 65 Prozent.

Analysten können sich mit erfolgreichen Prognosen im Kleinwertesegment profilieren, dienen kompetente Einschätzungen doch ihrer Reputation. Schließlich betonen Investoren in Umfragen immer wieder, dass sie gute Investmentideen suchen. Insbesondere kleine, regional spezialisierte Analystenhäuser wittern hier ihre Chance und besetzen die Nebenwerte-Nische: Die DZ-Bank covert derzeit die meisten S-Dax-Werte, gefolgt von HSBC Trinkaus & Burkhardt und Oppenheim Research.

Der Blick in die hinteren Reihen lohnt also für Anleger und Analysten. Als Beimischung bereichern die Börsenzwerge das Depot allemal.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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