Sektkellerei Schloss Wachenheim entzückt die Anleger
Die Korken knallen

Entgegen dem Trend in Deutschland, weniger Sekt zu trinken, gelang es der Sektkellerei Schloss Wachenheim, den Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr nahezu zu verdreifachen. Auch das laufende Geschäftsjahr lässt sich gut an.

Die Deutschen trinken weniger Sekt. Auch der Silvesterabend dürfte nichts daran ändern, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in diesem Jahr nur noch bei etwas über 3,5 Liter liegen wird. Vor zehn Jahren tranken die Menschen hierzulande noch über fünf Liter im Jahr. Das Land ist nicht in Sektlaune. Umso bemerkenswerter ist es da, dass es der Sektkellerei Schloss Wachenheim im abgelaufenen Geschäftsjahr gelang, den Gewinn fast zu verdreifachen und im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zu verdoppeln. Und auch im Gesamtjahr rechnet Vorstandschef Nick Reh, dessen Familie 70,14 Prozent der Stimmrechte hält, mit einem Gewinnsprung von 100 Prozent auf dann rund zehn Mill. Euro. Das Ergebnis je Aktie stiege damit von 59 Cent auf einen Euro. Und der Aktienkurs kletterte in diesem Jahr um über 60 Prozent auf zehn Euro. Hinter den dicken Mauern des Schlosses aus dem 18. Jahrhundert, dass mitten in der 3 000-Seelen-Gemeinde Wachenheim an der deutschen Weinstraße liegt, keltert das Unternehmen die hauseigenen Marken Faber und Nymphenburg. Für die Billigheimer unter den Schaumweinen werben Discounter wie Aldi und Lidl gern vor dem Neujahrsfest, weshalb die Marken bekannter sind als die Sektkellerei selbst. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent liegt Schloss Wachenheim in Deutschland hinter Rotkäppchen-Mumm (30 Prozent) und der Oetker-Gruppe mit ihren Marken Henkell, Fürst Metternich und Deinhard zwar nur auf Platz Drei. Die Erfolge feiert Schloss Wachenheim allerdings jenseits deutscher Sektherrlichkeit und pfälzisch-bäuerlicher Tradition. Polen, Tschechien und Rumänien sind die Märkte, denen Schloss Wachenheim Wachstum und Rentabilität verdankt und sich deshalb auch Weltmarktführer nennen darf. Die Umsatzrendite ist in Osteuropa mit fünf Prozent doppelt so hoch wie in Deutschland. Gleich nach der Wende legte er den Grundstein für die Expansion gen Osten: Als sich die Wettbewerber noch an der Wiedervereinigung berauschten, kaufte Schloss Wachenheim die erste Sektkellerei in Polen, später schlug Reh auch in Rumänien, Ungarn und Tschechen zu. Heute ist die polnische Tochter Ambra an der ukrainischen Grenze die Schaltzentrale für das Osteuropa-Geschäft. Und die will Reh im Frühjahr 2005 an die Börse bringen. Mit dem Einnahmen will das Unternehmen seine Schulden abbauen und seine Eigenkapitalquote spürbar auf über 20 Prozent verbessern – beides Faktoren, die lange einen Bewertungsabschlag der substanzstarken Aktie rechtfertigten. Gelingt der Börsengang, können sich die Wachenheim-Aktionäre berechtigte Hoffnungen auf eine Sonderausschüttung machen, die Reh im November in Aussicht gestellt hat. Problematisch bleibt allerdings der Heimatmarkt. Denn die Deutschen trinken nicht nur weniger, sie zahlen auch weniger für den Schaumwein. Seit der enttäuschenden Millennium-Party sind die Lager der deutschen Kellereien prall gefüllt – mit den Preisen ging es entsprechend in den Keller. Und anders als bei Wein interessieren sich die Verbraucher nicht für die Herkunft des prickelnden Getränks. Sekt aus Chile, Südafrika oder Kalifornien sind in den Regalen der Supermärkte denn auch kaum zu finden, lediglich der spanische Schaumwein Freixenet hat es in jedes fünfte deutsche Glas geschafft, allerdings nur mit einem gigantisch hohen Werbeetat. Schloss Wachenheim hat sein Angebot in Deutschland dem desolaten Marktumfeld angepasst, die Kosten gesenkt und die Produktpalette bereinigt. Und weil sich nach dem EU-Beitritt der osteuropäischen Länder die Konsumgewohnheiten denen der westlichen Länder angleichen werden, richtet Reh seinen Blick bereits noch weiter Richtung Osten. Russland und China sind die nächsten Länder, die Reh mit Sekt aus dem Rheintal beglücken will. Die Expansionsfantasie dürfte auch der Aktie helfen, ihren Aufwärtstrend im kommenden Jahr fortzusetzen, ohne dass die Deutschen übermorgen ein Gläschen zu viel Faber-Sekt trinken.

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