Short Dax
Ein Dax für Pessimisten

Fast sah es so aus, als hätte die Deutsche Börse das perfekte Händchen gehabt. Am 27. Februar, just an jenem Tag, als die internationalen Börsen zu ihrer kurzen, aber heftigen Korrektur ansetzten, lancierte die Börse einen neuen Index, mit dem Anleger auf fallende Kurse setzen können. Fünf Wochen später hat sich der Erfolg des „ShortDax“ relativiert.

FRANKFURT. Die weltweiten Aktienmärkte sind inzwischen wieder in die Bereiche vorgedrungen, von denen aus sie in ihre Korrektur abgetaucht waren. Und die extrem positive Entwicklung des ShortDax in den ersten Tagen seiner Existenz nützte Investoren nichts, da es zu der Zeit noch keine Anlageprodukte auf den neuen Index gab.

Nichtsdestotrotz ist die Neuentwicklung der Deutschen Börse – ebenso wie die von Dow Jones errechnete Short-Version des Euro-Stoxx-50-Index – einen genaueren Blick wert. Erweitert sie doch das Anlagespektrum von Privatinvestoren um eine interessante Spielart für Baisse-Spekulationen. Zwar gab es auch vorher die Möglichkeit, sich mit Verkaufs-Optionsscheinen oder Reverse-Zertifikaten gegen die Bullen am Markt zu positionieren. Optionsscheine können allerdings nur Anleger kaufen, die zuvor ihre Termingeschäftsfähigkeit nachweisen. Und die „umgedrehten“ Varianten von Zertifikate-Klassikern wie Bonus- oder Express-Papieren sind für viele Investoren auf Grund ihrer komplizierten, auf Optionen basierenden Strukturen schwieriges Terrain.

Im Gegensatz dazu sind die Short-Indizes einfach und transparent. Fällt etwa der Dax um zehn Prozent, legt der ShortDax spiegelbildlich um ein Zehntel zu. Darüber hinaus hat die Börse auch das immense Sicherheitsbedürfnis der deutschen Anleger nicht außer Acht gelassen und ihren Index daher mit einem Bonbon versüßt. Weil die Konstruktion des ShortDax kein Kapital bindet, erhalten Investoren unabhängig von der Wertentwicklung des Indexes zwei Zinszahlungen in Höhe des aktuellen Satzes für Tagesgeld – einmal für die angelegte Summe und einmal für die Einnahmen aus der „Short-Wette“, also dem Leerverkauf des Dax. Um die Short-Indizes einem Massenpublikum schmackhaft zu machen, reichen diese Zinsen natürlich nicht. Das kann auch nicht das Ziel der neuen Indizes sein. Gerade für langfristig orientierte Anleger gibt es keinen Grund, plötzlich short zu gehen.

Schließlich spricht die historische Entwicklung für weitere Gewinne an den Börsen. Im langjährigen Schnitt erzielten Aktien im Jahr eine Rendite von 6,8 Prozent.

Für kurzfristig, strategisch ausgerichtete Anleger sind die neuen Barometer aber eine interessante Option. In Zeiten, in denen Woche für Woche neue Indizes aus dem Boden gestampft werden, deren Sinn nicht immer erkennbar ist, bieten Short-Indizes einen echten strategischen Mehrwert. Und wer weiß: Angesichts der überraschend schnellen, für manche Experten zu schnellen Gegenbewegung an den Aktienmärkten, könnte es schon sein, dass die Baisse-Spekulanten bald wieder auf ihre Kosten kommen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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