Sichere Verluste
Gefahren der Bondblase

FRANKFURT/M. Sicherheit ist Trumpf, so scheint es. Milliarden über Milliarden stecken die Anleger in Anleihen und Anleihenfonds. Auch viele erfahrene Investoren tun dies – und ignorieren skeptische Analysten. Was macht es schon, wenn die Zunft der Deuter wieder einmal die Zinswende nach oben ausruft. Kaum etwas war schließlich in den vergangenen Jahren verlässlicher als der Irrtum der professionellen Schätzer.

Eines allerdings ist jetzt anders. Die jüngsten Inflationsdaten aus Amerika und der Euro-Zone taugen nicht als Beruhigungspillen. Im Gegenteil, die explodierenden Rohstoff- und Energiepreise schieben die Geldentwertungsraten unbarmherzig nach oben. In Übersee stehen die Notenbanker bereit für weitere Zinserhöhungen, ihre Kollegen in der Euro-Zone machen sich schon mal warm dafür.

Die Anleger haben viel zu verlieren. Schon deshalb, weil sie jedes Gefühl für Verluste verloren haben. Anleihebesitzer fühlen sich sicher, schließlich zahlt ein guter Schuldner pünktlich Zins und Tilgung und seit einiger Zeit geht es mit den Bondkursen nach oben, spiegelbildlich rutschten die Renditen. Vor 25 Jahren warfen zehnjährige US-Anleihen jährlich fast 13 Prozent ab, Bundesanleihen knapp zehn Prozent. Heute steht die Vier beziehungsweise die Drei vor dem Komma.

Dank gebührt dem Initiator der Jubelhausse: Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank. Er pumpte in nie gekanntem Ausmaß Geld in die Wirtschaft. Die Bürger fühlten sich reich, konsumierten auf Pump, legten auch viel Geld an. Mit der Zeit glaubt man immer stärker daran, dass dieser Zustand ewig währt. Folge: Es wird gedankenlos investiert. Deshalb sind die Renditevorsprünge von Risikoanleihen auf Mini-Niveaus abgeschmolzen. Wo sollen Risiken sein, wenn man davon überzeugt ist, dass im Ernstfall die Notenbank mit Liquiditätsspritzen eingreift und alles zum Guten wendet? Aber die Anleger dürften sich täuschen. Dann ist die Gefahr groß, dass Greenspan nicht als Held, sondern als Produzent der größten Finanzblase aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird.

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