Siemens kämpft mit dem Handy-Geschäft
Schlechter Empfang

Für Anfang Dezember hatte der Siemens-Konzern zu einer so genannten „Global Opinion Leader“- Konferenz geladen:

Die Münchener wollten ausführlich über die tollen Perspektiven der neuen Telekommunikationssparte Siemens Com berichten, mit einem Drittel Umsatzanteil der größte Konzernbereich. Doch daraus wird nichts. Die Großveranstaltung wurde kurzfristig abgesagt. Offenbar wissen der designierte Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld und Spartenchef Lothar Pauly nicht, wohin die Reise geht.

Die Unsicherheit bei Börsianern und Anlegern ist groß. Das lastet auf der Aktie. Analysten wie Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank rechnen mit einer Neuordnung des Bereichs. Konzernchef Heinrich von Pierer selbst hat vor einer guten Woche den Spekulationen Tür und Tor geöffnet. „Ich könnte mir vorstellen, dass es in Teilgebieten auch zu Kooperationen kommen kann“, sagte er bei der Präsentation der Zahlen für 2003/04. Und eine Gewinnprognose für das angelaufene Geschäftsjahr verweigerte er mit dem Hinweis auf mögliche Umbaukosten bei Siemens Com.

Siemens Com ist das Herzstück des Konzerns. In der Telekommunikation liegen nicht nur die Wurzeln, damit ist die Traditionsfirma groß geworden. In den vergangenen drei Jahren wurde angesichts der Branchenkrise kräftig saniert. Schließlich drückte Kleinfeld, der Ende Januar von Pierer beerben wird, im Sommer die Fusion der beiden Sparten Festnetze (ICN) und Mobilfunk (ICM) durch. Synergien und mehr Kundenorientierung sind das Ziel.

Bereits in diesem Monat wollte Siemens-Com-Chef Pauly eigentlich die neue Struktur im Detail vorstellen. Doch es läuft nicht wie geplant. Insbesondere das Geschäft mit Mobiltelefonen musste eine schwere Schlappe weg stecken. Es gab Qualitätsprobleme mit der neuen 65er-Serie, auf die der Konzern so große Hoffnungen gesetzt hatte. Darunter hat das Image, die Geräte kamen für das wichtige Weihnachtsgeschäft zu spät in die Geschäfte. Statt der erhofften schwarzen Zahlen machte die Handy-Sparte im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 140 Mill. Euro – ein Schock. „Vor dem Hintergrund oft zweistelliger Ertragsrenditen der Wettbewerber muss ICM sein Geschäftsmodell deutlich überarbeiten oder ändern“, fordert Analyst Pitz. Für den internationalen Wettbewerb gelten die Münchener ohnehin als zu klein: Sie liegen derzeit auf Platz vier hinter Nokia, Samsung und Motorola. Und der koreanische Konkurrent LG kommt Siemens bedrohlich nahe.

Inzwischen denkt der Konzern offenbar ernsthaft über die Zukunft der Mobiltelefone nach. Von Pierer gab zuletzt keine Bestandsgarantie mehr, sprach sogar von einer harten Sanierung. Schnelle Gewinne will er auch nicht mehr versprechen. Das klang im Sommer noch anders. „Das Handygeschäft bleibt dabei“, hatte Pauly da verkündet. Nur so mache die neue Aufstellung von Siemens Com Sinn. Schließlich soll die Sparte alles aus einer Hand anbieten – vom kompletten Mobilfunknetz bis zum Endgerät.

Im Gespräch war in der Vergangenheit immer wieder ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Partner nach dem Vorbild des Computer-Joint-Ventures Fujitsu- Siemens. Doch angesichts der desolaten Lage bei den Siemens-Handys dürfte ein Partner derzeit schwer zu finden sein. Dazu kommt, dass Siemens den Markennamen wohl nicht mit verkaufen würde – ein Handicap für einen möglichen Käufer. Börse und Anleger dürfen gespannt sein, was sich Kleinfeld einfallen lässt.

Die Probleme sind bitter. Denn sie verhageln die eigentlich gute Bilanz von Siemens. Medizintechnik, Energieerzeugung, die Automobiltechnik sowie Automation und Antriebe in der Tat gut da. Auch wenn Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger Ende letzter Woche einen Aktienrückkauf nur als „Frage der Zeit“ bezeichnete, werden Anleger bei der Siemens-Aktie wohl kaum in großem Stil zugreifen, bevor es nicht eine überzeugende Lösung für das Siemens-Com- Problem gibt.

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