Sinkende Gewinne
Frust mit Firmenbonds

Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität haben Anlegern in diesem Jahr nicht viel Freude gemacht. Die Kurse der Festverzinslichen von Firmen mit Ratings im halbwegs sicheren Bereich Investment-Grade sind deutlich gefallen und haben die Zinseinnahmen zum großen Teil aufgezehrt.

FRANKFURT. Unter dem Strich erwirtschafteten Investoren deshalb mit Firmenbonds im Schnitt nur einen Gesamtertrag von knapp 0,9 Prozent – das frustriert. Käufer von Unternehmensanleihen stehen damit zwar besser da als Investoren in Staatsanleihen, bei denen die Kursverluste die Zinseinnahmen überstiegen, so dass sich ein Verlust von im Schnitt knapp 0,2 Prozent ergibt. Große Freude werden die Zinspapiere von Unternehmen den Anlegern im kommenden Jahr aber nicht machen, wenngleich diese nach Einschätzung von Experten erneut etwas besser abschneiden werden als Staatsanleihen.

Gegen die Firmenanleihen spricht, dass Volkswirte eine schwächere Weltwirtschaft und damit auch sinkende Gewinne der Unternehmen erwarten. Gleichzeitig dürfte der Trend zu Fusionen und Übernahmen (M&A) weiter anhalten. Fusionen und Übernahmen sorgen bei Aktien für Kursphantasie und sind ein Grund für die meist positiven Einschätzungen für die Aktienmärkte. Für Anleihebesitzer sind M&A-Aktivitäten dagegen tendenziell eher schlechte Nachrichten, weil sie häufig mit einer steigenden Verschuldung der Unternehmen einhergehen. Und die Aufnahme neuer Schulden belastet in der Regel die Kreditwürdigkeit – Anleger fordern deshalb höhere Risikoprämien.

In die Höhe schnellen die Risikoprämien meist bei kreditfinanzierten Übernahmen, den so genannten Leveraged Buy Outs (LBO). Dabei stemmen Private Equity-Häuser den Kauf von Unternehmen durch deren Überschuldung. Auch der Trend zu LBO dürfte anhalten – derzeit sind die Kassen von Private Equity-Fonds mit 70 Mrd. bis 80 Mrd. Euro gefüllt.

Im Schnitt sind die Risikoaufschläge von Unternehmens- im Vergleich zu Staatsanleihen im Euro-Raum mit im Schnitt knapp 0,6 Prozentpunkten trotz des Anstiegs in diesem Jahr immer noch niedrig. Vor gut vier Jahren bekamen Anleger für Unternehmensanleihen noch 1,8 Prozentpunkte mehr Rendite als für Staatsanleihen. Für eine zehnjährige Anleihe von der Deutschen Telekom etwa gab es damals 7,5 Prozent Rendite. Heute müssen sich Anleger für einen zehnjährigen Telekom-Bond mit einer Rendite um die 4,8 Prozent zufrieden geben.

Anleger, die Anleihen kaufen und bis zur Fälligkeit halten wollen, tun gut daran, mit dem Einstieg noch etwas zu warten bis die Renditen steigen und damit attraktiver werden. Wer jetzt Unternehmensanleihen kaufen will, sollte zu kurz laufenden Papieren greifen. Diese bieten nur etwas weniger Rendite als Langläufer, das Risiko ist aber überschaubarer.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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